[Fantasy und 40K] Wer sind die Guten?

AW: [Warhammer Fantasy (und 40K)] Wer sind die Guten?

Die Überlegungen zu “Moral” in Warhammer sind immer recht schwierig. Das mag daran liegen, dass das Warhammer-Universum größtenteils auf eine strikte Trennung von schwarz und weiß verzichtet und ich denke, dass darin auch ein großter Anteil des Reizes dieses Universums begründet liegt.

Besonders in WH40k wird sehr deutlich, dass das Sprichwort “Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert” konsequent umgesetzt wurde: Da gibt es den Übermenschen, den Imperator, der Jahrtausende alles daran gesetzt hat, die Menschheit vor dem Untergang zu bewahren. Dazu lenkt er die Menschheit zuerst im Verborgenen, dann ganz offen, um sie auf einen Weg zu führen, der sie vor der vollständigen Vernichtung retten soll. Wir haben hier also einen selbstlosen Imperator, der Gewalt nur als letztes Mittel einsetzt, der der Menschheit Wohltaten spendet und sich sogar im Tode opfert, um der Menschheit etwas gutes zu tun.

Also gibt es doch einen Tupfen “weiß” im Warhammer-Universum, der jedoch ganz schnell eine Graufärbung durch das Adeptus Ministrorum erhält: Sämtliche Wohltaten und Errungenschaften, die der Imperator der Menschheit angedeihen lässt werden in irgendeiner Form durch die Interpretation seitens der Menschheit selbst pervertiert. Insbesondere der moralische Kompass des Imperators wird also vollkommen verdreht und egal, welche Absichten er gehabt haben mag, sie spielen in den Jahren nach der Horus-Häresie eine immer kleiner werdende Rolle und werden schließlich gänzlich durch die verqueeren moralischen Vorstellungen anderer Menschen ersetzt - in seinem Namen natürlich.

Wer möchte sieht hier natürlich sofort die Parallelen zum Christentum: Auch hier gibt es einen Übermenschen, Jesus, der einen moralischen Kompass installiert, der in der Folgezeit durch die Gläubigen vollkommen pervertiert wird. Die bekanntesten Resultate dürften hier die Kreuzzüge und die Inquisition sein. In beiden Fällen ist es sicherlich nur schwer zu unterscheiden, ob es tatsächlich der Glaube war oder ob er nur als Begründung vorgeschoben wurde - die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen.

Ich glaube übrigens, dass wir uns auch heute noch nicht vollständig von Kreuzzügen oder der Inquisition emanzpiert haben, denn schließlich führen wir auch heute noch Kriege mit, mehr oder weniger, Fadenscheinigen Gründen und die Inquisition gibt es noch immer. (“Kongregation der Glaubenslehre”, wurde bis vor ein paar Jahren noch von Joseph Kardinal Ratzinger geleitet, besser bekannt als Papst Benedikt XIV.)

Worauf möchte ich also hinaus? Darauf, dass das Thema “Moral” im Warhammer-Universum sehr komplex behandelt wird und keiner einfachen schwarz-weiß-Schematik unterliegt, wie das nicht selten in den Fantasy- oder Science-Fiction-Welten der Fall ist. Ich glaube sogar, dass diese Komplexität in Ansätzen sogar an die Komplexität des realen Lebens heranreicht, womit - für mich selbst - eigentlich schon klar wäre, warum sich viele Spieler so schwer damit tun.