An die Spielleiter: Wie definiert sich gutes Rollenspiel?

Hallo zusammen,

nach einigen Jahren der intensiven Spielleiter-Erfahrungen, fiel mir auf das “gutes” Rollenspiel sehr subjektiv ist.

Das mag selbstverständlich wirken und dennoch sprechen viele davon, als sei es eine Art Naturgesetzt. Fest in Definition und Auslegung.

Ich würde gerne mal erhorchen wie die allgemeine Meinung zu dem Thema ist. Ist gutes Rollenspiel verbunden mit Sicherheit in der Regelanwendung, dem improvisieren oder etwas ganz anderem wie Schauspielerei?

Ich freue mich eure Meinungen zu lesen

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Also meiner Meinung nach ist es eine Kombination aus allem​:sweat_smile::rofl: gutes Storytelling, Schauspielerei und Aufbau des ganzen sowie weitere Faktoren sind aus Sicht eines Spieleleiters wichtig hinzu kommt noch die Gruppenspielerdynamik, Humor sowie freundlicher Umgang untereinander die ein Rollenspiel zu einem guten Rollenspiel macht denn Balanceakt da zu halten ist schlussendlich ein Gemeinschaftsprojekt.

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Gute Frage, vor allem geht es darum, dass alle Spaß haben. Vielleicht ist es so, dass man gutes Rollenspiel daran erkennt, dass man das handeln der Figur nach und nach aus dem handeln der Figur heraus als authentisch erachtet, ohne Hilfskonstruktionen zu brauchen wie etwa mein Charakter macht das weil er eine militärische Ausbildung hat oder mein Charakter glaubt dem NPC nicht und mag ihn auch nicht. LG

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Hey,

danke für deine Gedanken.

Ich denke im allgemeinen stimmen da die meisten überein. Ich kann mich aber an ein Gespräch mit einem SL Kollegen erinnern, bei dem es um Schwächen von Charakter geht.

Er selbst äußerte, Schwächen bei Spielerfiguren als hinderlich wahrzunehmen und lieber das “fehlen” von Stärken als Schwäche auslegt.

Hier unterschieden sich unsere Ansichten brachial. Wie würdest du einen Spieler beschreiben welcher gutes und wie einen welcher schlechtes Rollenspiel macht?

Grüße

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Hey Franz,

danke für deine Gedanken.

Authentisch ist ein gutes Wort dafür. Wie würdest du aber einen Spieler beschreiben, bei der “authentisch” schwer zu beschreiben ist?

Zum Beispiel einen Spielerfigur, welche vor allem vom Charakterbogen lebt, ohne großflächige Story oder Motivation. Wie könnte man einen solchen “Pappaufsteller” gut bespielen?

Grüße

Das hat nichts mit Rollenspiel zu tun. Kreativität ist die Kombination der Elemente die zur Verfügung stehen, es gibt keine Kreativität wenn es keine Elemente gibt. Diese Art der Unterhaltung ist auch nicht zielführend. Es lohnt sich nicht mit den Rändern der Extrembeispiele zu befassen. Grundlage sollte immer eine Ausgeglichenheit der Aspekte sein.

Hey Franz,

ich empfinde eher deine Reaktion nicht als sonderlich zielführend.

Wenn wir nicht über die “Ränder” sprechen, werden wir nie einen guten Mittelweg finden. Es ist wichtig Themen ganzheitlich zu betrachten und nicht den eigenen Horizont auf einen emotional basierten Weg zu beschränken.

Was wäre denn wenn du einen Spieler hast, welcher nach eigener Aussage einfach nicht sehr kreativ ist. Ist dieser Mensch in deinen Augen nun einfach kein “Rollenspieler” mehr?

Ich glaube du machst es dir da etwas zu einfach, ich interessiere mich sehr für deine Meinung.

Das mag stimmen, und auch mir fallen da Beispiele ein wo die Spieler an Pappkameraden erinnern. Das ist aber eine andere Frage. Wenn ich Frage was ist gutes Rollenspiel? Und mir den Rand betrachte, wo Spieler gänzlich auf Rollenspiel verzichten, kann ich die Frage nicht beantworten. Die Frage die du meinst ist, warum verzichten so viele Spieler auf Rollenspiel? Hier ist meine kurze Antwort, weil viele nie gelernt haben sich auszudrücken, nicht verbal sondern in anderen gestalterischen Formen (darstellende Kunst) und Computerspiele, weil viele Spieler Rollenspiel als Meister der Zahlen in einer vollkommen linearen Welt verstehen in der alle Handlungsoptionen in Form von multiple choice Verkettungen hinterlegt sind. - Wenn wir aber nach gutem Rollenspiel frage, sollten wir nach gutem und schlechten Rollenspiel trennen und nicht direkt die Gruppe des betreuten Würfelns ins Auge fassen. Aber Ja, ich sage es extra noch einmal, ich verstehe was du meinst und ich gebe dir Recht.

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Hey du,

so liest man sich wieder ^^

Ja ich denke auch dass es wichtig ist Spieler an die Hand zu nehmen. Diese Tätigkeit fällt wohl eindeutig in die Verantwortung des DM. Wie würdest du aber “gutes” Rollenspiel definieren?

Also ganz explizit, versteht sich. Es wäre ja immer einfach zu sagen, der Spieler muss eben kreativ sein und sich emotional mit der Figur identifizieren können. Das ist aber etwas Oberflächlich und wird dem Thema in meinen Augen nicht ganz gerecht.

Freue mich auf deine Meinung!

Hey Franz,

na dass ist doch mal eine gute Antwort!

Eine Diskussion trägt eben immer eine subjektive Ebene mit sich und unsere Ebenen harmonieren wohl nicht sehr gut ^^

Aber ich denke wir verstehen, ich mag dein Gleichnis mit dem “Herrn der Zahlen”. Dennoch muss ich sagen, dass es in meinen Augen nicht so leicht sein kann.

Das Thema ist kompliziert und schwer zu betiteln. Mir geht es vor allem um den Anhang “gut”.

Du scheinst dieses Extrem abzulehnen, dass kann ich auch nachvollziehen. Schauen wir aber mal auf die andere Seite. Jemand der sich also sehr intensiv in den Spielprozess einbindet.

Ist ein sehr guter Rollenspieler dann eher ein diagnostischer oder eher experimenteller Typ?

Sollte unter dem Ansatz der Kreativität eher ein therapeutischer Ansatz angestrebt werden oder ein impressionistischer?

Wo befindet sich also dieser “gute” Rollenspieler in deinen Augen? (Außer natürlich das er in Summe gut mitmachen solle, dass ist natürlich klar")

Hey, sehr schön wie du den Kern der Frage wieder aufnimmst und konkret auf bestimmte Aspekte eingehst. Mit mir zu harmonieren ist auch nicht so einfach weil ich sehr meinungsstark und wortgewaltig sein kann, das sind leider nicht meine besten Eigenschaften.

Der Herr der Zahlen beantwortet ja auch eine andere Frage und ich habe extra dazugeschrieben, dass das die Kurzfassung ist.

Das wäre dann das andere Extrem. Wenn wir über die Intensität sprechen sollten wir doch anstreben, dass jeder Spieler in etwa gleiche Anteile hat, oder? Das heißt man hat einen begrenzten Zeitraum in dem man sich ausdrücken kann. Ich finde gutes Rollenspiel ist es dann wenn die Figur durch das Spiel Tiefe gewinnt. Das passiert nur dann wenn es ein Konzept gibt, ein Baukasten limitierter Elemente, die je nach Situation immer wieder neu zum Einsatz kommen. Und man so den Eindruck bekommt, das die Reaktionen und Aktionen typisch für den Charakter sind.

Ich glaube das sind eher Eigenschaften die man der Figur und nicht dem Spieler zuschreibt, oder ich habe die Frage nicht richtig verstanden. - Für mich ist gutes Rollenspiel ein schlüssig. und schlechtes Rollenspiel dann eher inkonsequent oder nicht nachvollziehbar.

Hier verstehe ich die Frage, ehrlich gesagt, auch nicht so richtig. therapeutische Kreativität ist doch eher Malen oder Tanzen oder Musizieren und impressionistische Kreativität ist die spontane Wiedergabe des gesehenen in vereinfachter Form und ist vor allem auch malerisch oder? Kreativität ist die Kombination der Mittel innerhalb eines Rahmens. Oft ist es so, dass weniger Mittel in einem engeren Rahmen möglichst vielfältig kombiniert werden ist das ein Maß hoher Kreativität.

Meiner Meinung nach, ist der gute Rollenspieler der der sich eine Figur ausgedacht hat. Die er so darstellen kann, dass alleine durch die Darstellung die verschiedenen Züge immer wieder erkennbar werden. Meist ist es sogar besser wenn es eher weniger Züge sind. Damit meine ich aber nicht das Mörderhobbo sein gutes Rollenspiel ist, weil man, unverkennbar, einfach alles niedermetzelt. Man ist ja schließlich ein Held. Man kann aber durchaus aggresiv sein, dann aber in einer Form die zu einem Helden passt wie etwa zielstrebig oder rechtschaffend zornig. Was man auch nicht ausser Acht lassen darf ist, dass die Figur dazu beitragen muss die Geschichte voranzubringen. Steht die Figur der Geschichte im Weg ist es meist kein so gutes Rollenspiel.

Die wichtigste und einfachste Regel ist und bleibt jedoch - what looks good is good - soll heißen, macht es spass dem Spieler beim darstellen zuzuschauen ist es gut gemacht.

Ich bin gespannt ob wir jetzt auf eine klingendere Harmonie zusammen kommen. LG

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Hey Franz,

danke für die ausführliche Antwort.

Gerade mit deiner letzten Aussagen denke ich, dich gut verstanden zu haben. Diskussionen sollen ruhig Reibung erzeugen, es ist nur wichtig das man nicht “überhitzt”, aber das ist hier ja nicht der Fall ^^

Ich würde persönlich nicht in Gänze zustimmen, bin aber sehr dankbar für diesen Einfluss. Es hilft mir, und hoffentlich auch Anderen, über dieses Thema nachzudenken.

Beim Thema “Impressionismus” möchte ich noch ungefragt einen Input geben, da es (zu meist) darin besteht, subjektive Eindrücke, Stimmungen und persönliche Ausdrucksformen in die Spielwelt einzubringen, um Atmosphäre und Charaktertiefe zu gestalten. In meinen Augen ein wichtiger Anteil, welcher oftmals keine Erwähnung im direkten Sinne findet.

Grüße

Es kommt ganz darauf an wie die schwächen ausgespielt werden zum Beispiel man hat einen Charakter der dumm ist und sich dann auch dumm verhält ist soweit alles gut alles getreu und immersiv wenn man dann einen ehrenvollen Charakter spielt und sich dann aber nicht dementsprechend verhält ist es klar das der Charakterbogen nur Zierde ist. Als Spieleleiter habe ich für mich gelernt das egal wie ein Charakterbogen aufgebaut ist sobald sich der Spieler nicht seiner selbst gewählten Rolle anpasst wird es schwer. Ich kann nur sagen man sollte das Gespräch aufsuchen und dem Spieler verdeutlichen wo die Fehler liegen bei wiederholten vorkommen wird das schlussendlich nichts ein Spieleleiter sollte auch nicht die Aufgabe haben müssen denn Charakter des Spielers besser zu kennen das führt schlussendlich zu nix gutem. Ich selbst sage da lehrnfähige Spieler sind auch eine Rare Ware :rofl::+1:

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Reale Bildung ist ziemlich egal in diesem Fall :rofl:und ist auch kein Alter ding ich denke es liegt eher am Charakter selbst einer Person und das spiegelt sich dann auch bei dem Engagement wieder ich selbst bin auch nicht die hellste Birne im Universum hahaha die Sonne leuchtet mindestens 2 mal stärker als ich :joy::joy::joy: und daher einfach guter Dinge bleiben die Zeit hat immer einen Rat hat mal jemand gesagt :rofl:

“Talent” ist so ein Unwort aber es hier gefallen.

Als Spielleiter sage ich, es ist viel mehr zu definieren was kein >kein gutes Rollenspiel< ist.
Denn ehrlicher weise muss ich sagen, das ich schon einige Leute mit sehr hochtrabenden Eigenlob erlebte, Leute die langjährige Rollenspieler sind und die in meinen augen grausiges Rollenspiel machten.

Dabei ging es nicht darum das sie nicht eine Rolle verkörperten, das taten sie und sie schauspielerste sie auch.
Sondern das ihre Rolle im sozialen Kontext und ihren Handlungen keinen Sinn ergab.
Sowohl als Mitspieler, als auch als Spielleiter oft genug erlebt.

Wenn Figuren größenwahnsinnige und vollkommen absurde Handlungen begehen und das in Serie und nur der Spielleiter es munter zulässt.
Bei mir als Spielleiter ziehe ich da direkt Grenzen und man merkt, das Handlungen >tatsächlich< Konsequenzen haben.
Die langweiligste ist das einer stirbt.
Aber Leute willkürlich einfach ihr schlechtes Treiben durchgehen zu lassen ist kein gutes Rollenspiel.

Eine Figur die Untote erhebt und das Dorf praktisch nur mit zwei Würfen von der “Richtigkeit” dieser Tat überzeugt wird, obgleich in der Welt eine ketzerische Handlung ist, halte ich für KEIN gutes Rollenspiel.
Denn die NPCs sollten ihre Meinungen und Überzeugungen und auch ihr Gehirn nicht durch ein oder zwei Würfe verlieren.
Genau so sollte ein Spieler nicht jeden Mist durchdrücken weil er der beste Kumpel/fester Freund oder Freundin des SL ist.

Rollenspiel bedeutet, das die Welt, also der Spielleiter und die Spieler charaktertreue Handlungen begehen, die >allen< am Spieltisch spaß machen.
Denn erst wenn auch alle spaß haben wird es in meinen Augen gut.
Es bringt mir nichts, wenn einer meint, er hätte das MC-Syndrom und die anderen Charaktere seien nur Nebendarsteller und der Charakter dürfe nahe zu alles, wenn er nur gut genug würfelt.

”Das ist aber mein Charakter”
Und aber betreffender Spieler hat sich den Charakter eben ausgedacht.
Wenn man ein Arschloch spielt, dann ist es wie im RL, also eigentlich logisch konsequent das die Leute irgendwann keinen Bock mehr auf einen haben.
Das ist letztlich wo Immersion mit der Idee einer meta-Spielerschaft bricht.
Denn konsequenz wäre das betreffende Figuren sich abwenden und gehen, aber da man ja zusammen spielt, können sie das nicht.
Es fühlt sich zwanghaft an, das Figuren die sich nicht leiden können und gar keine Harmonie oder wirklich keine sinnvolle Zusammenarbeit ergeben dann zusammen in einer Gruppe sitzen.
Das ist für mich kein gutes Rollenspiel.

Denn zum guten Rollenspiel gehört es meiner Meinung nach dazu, warum die >eigene Figur< eine sinnvolle zusammenarbeit mit dem Rest der Gruppe hat.
Und nicht alle 2. Abende eine quatschige Diskussion ausbricht.
Das gilt für Charaktere jeder moral oder Gesinnung.

Für mich als Spielleiter ist es unfassbar nervtötend oder auch als Spieler, wenn Figuren sich wie ein Hampelmann aufführen und man das ertragen muss.
Konsequenzen zu setzen muss ja nicht zwangsweise negativ sein und es kann vielschichtig ausgespielt werden.

Figuren sollten eine Überzeugung oder zumindest Meinung haben in meinen Augen.
Was macht sie aus? was ist das Mindset von sie oder ihm?
Was bringt die Figur zum weinen? zum wütend werden? wie bringt die Person diese Emotion herüber?
Das ist ja super vielseitig und subjektiv was gut oder schlecht ist.
Aber für mich zählt, es ist gut wenn es da ist und es auch in die Situation passt.

Ich mag auch alberne/schelmische Figuren so lange sie eben nicht der Gruppe schaden.
Gilt aber auch für jedes andere Konzept.

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Ich habe hier schon ein paar Mal davon gesprochen, dass es für mich zwei große Lager gibt:

  1. Rollenspiel ist ein Brettspiel mit Impro-Theater-Aspekt
  2. Rollenspiel ist ein Impro-Theater mit Brettspiel-Aspekt

Ich gehöre zum 2. Lager.

Daher ist für mich gutes Rollenspiel, wenn jemand in der Lage ist, sich mit seiner Spielfigur in die Welt zu versetzen, versucht die Spielwelt aus der Perspektive der Spielfigur zu erleben, zu erfühlen und so logisch es geht zu handeln. Immer mit dem übergeordneten Fokus auf dem Spielspaß aller. Ohne dabei die Logik der eigenen Spielfigur aus den Augen zu verlieren!

Wenn man die Bälle der SL annimmt, sich innerhalb der Gruppe schöne Pässe zuspielt und zur SL zurück. Am Ende gehen alle nach Hause und hatten eine gute Zeit.

Regelkunde, Hintergrundkunde, Benutzung von Tools etc. ist alles nettes Beiwerk, wenn man das noch kann. Klar hilft Hintergrundkunde extrem ein gutes und schönes Konzept zu entwickeln, aber es gibt stellenweise Konzepte, die in jeder Spielwelt irgendwo vorkommen können und in wenigen Handgriffen logisch funktionieren, sodass Hintergrundkunde nicht zwingend notwendig ist.

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