AW: Dies Jahr ist nicht mein Jahr!
[FONT=Verdana][SIZE=2]Hhhmmm, eigentlich wusste ich bis vor ein paar Minuten nicht so recht, ob ich in diese ganzen Jammergeschichten einstimmen soll oder nicht. Aber auf jeden Fall wünsche auch ich allen Geschädigten und Gehandicapten möglichst baldige Genesung und gute und schnelle Besserung der allgemeinen Situation.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Aber wenn wir schon dabei sind und weil es ganz allgemein für meine eigene Situation einen würdigen Abschluss und neuen Startpunkt bedeuten kann, kommt hier meine ganz persönliche Jammergeschichte.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Das Jahr 2013 hatte noch gar nicht begonnen, als am 28.12. nach 5 langen Krebsjahren mein Schwiegervater starb. Ein Mensch, den ich hoch achtete und der mein Leben in den letzten 22 Jahren begleitete und mit prägte. Das Ganze kam sicherlich nicht unerwartet, aber in seiner Schnelligkeit traf es uns in einer familiären Zeit doch sehr plötzlich und hart.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Die Trauer um ihn hatte bei mir und meiner Frau den Höhepunkt noch nicht erreicht, als wir beide im Februar mit einer echten Influenza ins Bett fielen. Bei mir dauerte diese fast ganze 4 Wochen, in denen ich an manchen Tagen bis zu 16 Stunden schlief. Noch Wochen danach im März, fühlte ich mich wie nach einem Marathon-Lauf wenn ich nur mit zwei Flaschen Wasser aus dem Keller in den 3. Stock lief.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Als ich dann so richtig in der Phase mit viel Frust und Gereiztheit und so gut wie keiner Geduld angekommen war, kam es hier im Forum zum Eklat, der mich fast drei Freundschaften kostete und mir eines meiner Lieblingshobbies so gut wie ruinierte. Sicherlich nicht ganz alleine meine Schuld, aber doch deutlich von mir ausgelöst.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Als ich dann gerade in der jammervollen Phase der Aufarbeitung desselben war, erfuhr ich, dass meine beste Freundin zu einer OP ins Krankenhaus musste. Sicherlich „nur“ ein Routineeingriff, aber mit Vollnarkosen ist eben nicht zu spaßen, wie wir in unserem Freundeskreis aus leidvoller Erfahrung wissen. Die OP fand zudem genau an dem Tag statt, an dem meine Frau und ich in den Urlaub abfuhren.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Dieser Urlaub war gerade mal 5 Tage alt, als uns ein 44t LKW mit 50 km/h in die rechte Seite meines Autos fuhr. Trotz der Schwere des Unfalls kamen meine Frau und ich mit ein paar Knochenbrüchen davon, die mittlerweile ganz gut verheilt sind. Aber vor allem meine Seele wurde ziemlich schwarz, ob der Vorwürfe, die ich mir selber machte und noch mache. Noch während wir mehr schlecht als recht durch die Gegend humpelten, starb der Vater der oben erwähnten besten Freundin, mit dem wir noch zusammen im KKH gelegen hatten und ihn besuchen konnten.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Der Unfall ist nun 2 Monate her und ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Zwei Dinge sind mir dabei besonders aufgefallen:[/SIZE][/FONT]
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[li][FONT=Verdana][SIZE=2]Ich durfte eine Welt kennen lernen, die ich bisher nicht kannte – von der ich sogar behauptet hätte, dass es sie nicht gibt. Eine Welt voller Hilfsbereitschaft, Fürsorge, Freundlichkeit und Menschlichkeit. Das beginnt bei den Unfallhelfern, Schwestern und Ärzten in Wales, setzt sich fort über Polizisten, Versicherungs-, Schutzbrief- und Krankenkassenangestellte, die täglich für uns da waren und uns das Gefühl gaben, dass man sich um uns als Menschen kümmert und wir nicht nur „ein Fall“ sind. Es setzte sich weiter fort in Gestalt der beiden Rot-Kreuz Mitarbeiter, die uns im Auftrag des ADAC in einem für sie 48 Stunden Marathon nach Hause holten. Es setzte sich weiter fort in erstklassigem Service von Apotheken, Getränkelieferanten und Taxidiensten etc. hier zu Hause und endete schließlich bei Nachbarn und vor allem Freunden, die bedingungslos und ohne Vorbehalte mit Besuchen und Hilfestellungen für uns da waren.[/SIZE][/FONT][/li][li][FONT=Verdana][SIZE=2]Aber vor allem bei letzterem, Nachbarn und Freunden, bemerkte ich auch, dass sich diese Welt in zwei Lager teilt. Die einen stellten als erstes die Frage „Wie kann ich / können wir euch helfen?“. Das andere Lager interessierte sich immer zuerst dafür, wer denn am Unfall Schuld hatte.[/SIZE][/FONT][/li][/ul]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Ich habe für mich selbst beschlossen, 4 Konsequenzen aus diesem ersten halben Jahr 2013 zu ziehen:[/SIZE][/FONT]
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[li][FONT=Verdana][SIZE=2]Ich will nicht mehr jammern. Irgendwann zwischen dem Unfalltag und heute ist mir der Sinn dafür abhandengekommen. Nur eines scheint sicher: Solange ich noch jammern kann, kann es auch immer noch schlimmer kommen. Außerdem gibt es genügend Menschen auf der Welt, für die es ohnehin bedeutend schlimmer läuft.[/SIZE][/FONT][/li][li][FONT=Verdana][SIZE=2]Ich will mit weniger Vorurteilen durchs Leben gehen. Das betrifft sowohl unsere Gesellschaft an sich als auch einzelne Menschen. Die Welt ist besser, als sie erscheint und als Mensch macht man eben auch mal Fehler.[/SIZE][/FONT][/li][li][FONT=Verdana][SIZE=2]Ich will nicht mehr so viel für die Zukunft zurücklegen. Das betrifft sowohl finanzielle als auch persönliche/mentale Aspekte. Niemand kann mir sagen, ob ich morgen noch eine Zukunft haben werde. Ich lebe HIER und JETZT.[/SIZE][/FONT][/li][li][FONT=Verdana][SIZE=2]Ich will meine Freundschaften mehr und besser pflegen. Sie gehören zu den wichtigsten Dingen in diesem Leben.[/SIZE][/FONT][/li][/ul]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Nun hoffe ich für mich, dass ich die Kraft und den Mut haben werde, diese Dinge notfalls auch gegen Widerstände (vor allem von innen) durchsetzen zu können. Ich hoffe, dass meine Freunde meine Bemühungen erkennen und anerkennen und sie mir eventuell auch einen Teil davon zurückgeben werden. Und für den Rest der Welt hoffe ich, dass jeder zweimal darüber nachdenken möge, bevor sie/er das Jammern beginnt.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]In diesem Sinne wünsche ich euch allen alles Gute und alles Liebe für euer weiteres Leben.[/SIZE][/FONT]
[FONT=Verdana][SIZE=2]Gruß
Tufir[/SIZE][/FONT]