[FONT=Verdana][SIZE=2]So, dann will ich auch mal was beitragen. Vor ein paar Tagen habe ich die Rezension zum Engel Grundregelwerk verfasst. Vielleicht weiß der eine oder andere ja was dazu. Viel Spaß!
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Engel faszinieren die Menschen schon seit Jahrtausenden, bis vor Jahrhunderten die Kirche diese Wesen als Gesandte Gottes darstellten. Als allmächtige Wesen kämpften sie gegen Jakob oder erzählten Maria von dem Sohn Gottes. In „Engel“ hat zwar nicht unbedingt direkten Kontakt mit den Erzengeln, aber man schlüpft in die Rolle einer ihrer minderen Diener.
Krankheiten und Naturkatastrophen haben das Bild Europas stark verändert. Durch Überschwemmungen steht Land, das im 20. Jahrhundert bewohnt war, unter Wasser. Der Veitztanz, eine Seuche, welche nur die Erwachsenen das leben kostet, das aber in kürzester Zeit, hat die Bevölkerung stark dezimiert. Nur Kinder blieben übrig, welche sich eine Kultur aus den Bruchstücken der Alten neu erdachten. Aus Kinder wurden Erwachsene, der Glaube festigte sich. Der Wunsch nach Erlösung und einem Sinn des all der Katastrophen machte sich breit. Überbleibsel des Christentums brachten Antworten und so bildete sich eine neue Kirche, die Angelitische Kirche.
Als endlich wieder soetwas wie Normalität in das Leben der Europäer kam, zeigt sich ein neuer Feind am Firmament. Der Herr der Fliegen, großer Widersacher Gottes, schickte Fegefeuer und die Traumsaat um die Welt für sich zu beanspruchen. So wurden von der Seite des Guten Engel entsandt um den dämonischen Wesenheiten etwas entgegen zu setzen und das Leben der Menschen zu schützen. Und genau DU, lieber Spieler, bist einer dieser Engel, von Gott in die Dienste der Angelitischen Kirche gesandt zum Kampfe gegen das Böse.
Das Leben der Europäer ist hart und oft ist das einzige Licht die Kirche. Und doch kann sie nicht immer vor der Traumsaat schützen. Dort wo die „Schrottbarone“ herrschen, Herrscher der Städte, hat die Kirche oft keine Macht. Außerdem scheinen sich Ketzer zu vermehren, trotz der rigoros durchgesetzten harten Strafen. Bei all den Schwierigkeiten ist es für die Angelitische Kirche nicht gerade zuträglich, wenn ihre Beutereiter den Kirchenzehnt einfordern…
Soweit eine knappe Zusammenfassung der Welt von Engel. Doch man dürfte schnell bemerken, dass sie um einiges komplizierter ist, als hier beschrieben. Wie alles auf der Welt haben auch dortige Institutionen zwei Gesichter. Besonders interessant ist dabei die Anlehnung an die Kirche im Mittelalter. Zwar ist der Glaube oft der einzige Halt für die geplagten Bewohner, doch bringt sie nicht nur Hilfe, sondern auch Verderben. Beutereiter, die Kinder von ihren Familien fort reißen oder Ketzer, die durch, in unseren Augen kleinere Vergehen, auf dem Scheiterhaufen landen. Eine tolle Welt, die nicht die Grenzen unseres bekannten Mittelalters setzt, sondern Freiheiten für neue Arten von Glauben und Magie setzt, doch dabei das düstere Flair behält. Nun will ich aber keinen falschen Anschein erwecken. Engel ist kein übliches Fantasy-RPG, Magie bedeutet nicht mal eben einen Krug Wasser mit den Fingern her zu schnippen, sondern „nur“ die Macht der Engel.
Dabei lebt das RPG vom Unwissen der Spieler über die Welt und deren Hintergründe, denn auch ihre Charaktere haben nicht viel davon gesehen und wissen nur von ihrer Ausbildung. Eines haben die Engel gemein, niemand weiß von ihrer Zeit im Himmel, da der Weg zur Erde jede Erinnerung ausgebrannt hat. Die Spieler haben die Wahl zwischen fünf Arten von Engeln, die alle ihre Bestimmung und Werdegang haben. Man hat die Wahl zwischen einem Anführer der Schar, einem Kämpfer, Heiler, Naturverbundenen oder Wissensammler. Das ist nicht sonderlich viel, vergleicht man die Auswahl mit anderen Rollenspielen, doch ist man ehrlich sind die vielen Professionen doch nur Unterkategorien der großen fünf. Schade ist allerdings schon, dass man nur die Möglichkeit hat von den Engeln einen Charakter zu erwählen, dabei gäbe es so schöne Ideen, wenn man sich das Werk durchliest. Angefangen vom pflichtbewussten Templer, über Beutereiter, Diadoche, Stadtbewohner oder Bauer. Jeder hat seine Geschichte, die es lohnen würde zu spielen. Der Verlauf der Engelsschar ist somit relativ festgefahren, wenn man vor hat, sie länger als bis zum 18. - 20. Lebensjahr zu spielen. Was dann geschieht, will ich an dieser Stelle aber für mich behalten, da sonst den Spielern ein großes Highlight entgehen würde.
Nahezu einzigartig dürfte eines der beiden Regelsysteme sein, die „Engel“ anbietet. Dabei kommt man ganz ohne Würfeln und viele Werte aus, sondern legt sein Hauptaugenmerk auf das Erzählspiel an sich. Jedoch braucht man nicht auf Zufälle verzichten, welche normalerweise die Würfel bieten. Allerdings dienen nun die „Arkanakarten“ dazu. Sicherlich mag das für alte Hasen ein wenig ungewohnt sein, aber für Rollenspieler, die mehr Wert auf Ambiente und das Erzählen einer Geschichte legen dürfte dieses System nach einer Gewöhnungsfrist das Nonplusultra darstellen. Für eine Gruppe mit Posergamer dürfte es allerdings unbrauchbar sein, da sie damit einen Freifahrtsschein bekommen für übertriebene Handlungen, sofern der Meister keine Durchsetzungskraft beweist. Betrachtet man sich aber die Auslegung und den Hintergrund von „Engel“ dürfte es so oder so keine PGler anziehen.
Auch das 3.5er System ist recht einfach gehalten und dürfte damit kein Problem für Neulinge sein. Schade ist allerdings, dass diese Regeln nicht mit sonderlich vielen Beispielen erklärt ist und manches das nur einmal kurz Erwähnung findet, wird kurz darauf als selbstverständlich mitgeführt. Hat man es allerdings verstanden, dürfte die Erstellung eines Helden nicht so langwierig sein, wie bei anderen RPGs. So oder so stellt man auch hier fest, dass das Erzählen bei „Engel“ wichtiger ist, als irgendwelche Regeln.
Die Aufmachung von „Engel“ ist recht einfach gehalten. Ganz wie bei den Regeln legt man mehr Wert auf den Inhalt als irgendwelche Kinkerlitzchen, die letztlich doch nicht viel mit dem Spiel zu tun haben. So sind z.B. die Illustrationen in schwarz-weiß gehalten, dafür aber durch den Zeichenstil recht stimmungsvoll. Schade ist allerdings, dass solche kleinen Einwürfe wie ein Bericht aus unserer Zeit, der ein wenig vom Hintergrund der Struktur von „Engel“ aufdeckt, nicht öfter vorkommt, aber da darf man evtl. bei den anderen Regelwerken hoffen, schließlich ist der Grundregelwerk nur der erste Schritt in die Chronik der Schar. Eines der informativsten und witzigsten Kapitel dürfte der Bericht über die Geschichte der letzten Jahrhunderte sein, in dem mehr oder weniger schlüssig erklärt wird, wann und wo göttliche Mächte gewirkt haben. Zum Nachdenken regen dabei Kritikpunkte eines Zweiten an, der ganz offensichtlich nicht ganz einverstanden mit der Darstellung des Autors ist. Davon hätte es ruhig mehr im Regelwerk geben dürfen!
Ganz eindeutig ist „Engel“ kein einfaches Fantasyrollenspiel, wie es einige auf dem Markt gibt, die manchmal mehr auf Kampf, andere mehr auf Ambiente ausgelegt sind. Wie kaum ein anderes legt „Engel“ Wert auf das erzählen einer Geschichte. Dabei bietet das Grundregelwerk ein fantastisches Ambiente, in dem viel Spielraum für eigene Ideen, Chroniken und geschichtliche Verläufe ist. Ein wenig schade ist die Begrenzung der Spielercharaktere auf die 5 Orden. Dennoch ist die Möglichkeit eines der wohl mystischsten Wesen unserer Zeit zu spielen in der Rollenspielart wohl einzigartig und genau diese Eigenschaft haben die Autoren von „Engel“ hervorragend in eine aufregende, düstere Welt umgesetzt, in der es viel zu entdecken gibt und das Gute mehr als nur ein Gesicht bietet.[/SIZE][/FONT]