Mich würde mal interessieren, weshalb imho recht viele SL so darauf pochen, dass eine Frau keinen männlichen Charakter und umgekehrt spielen darf.
Bei unserem Hobby spielen ganz normale Menschen manchmal Zwerge, Elfen, Wikinger ( die hier und da Waelinger oder Thorwaler heißen), Samurai, mit Schwarzenegger-Muskeln und ohne etc - obwohl die Spieler zumindest körperlich weit entfernt von diesen Darstellungen sein dürften.
Weshalb stellt dieses sogenannte Cross Gender für manche offensichtlich ein solches Problem dar?
Tatsächlich ein interessantes Thema und eins, das ich auch nicht verstehen kann.
Ich hab nicht so viele SL getroffen die dagegen sind aber durchaus ein paar.
”Ich kann mir keine Männerstimme bei einer Frau vorstellen”.
Aber das jemand einen Orc spielt der keine tiefe Stimme hat?
Ich finde man sollte schon so viel immersion und Kreativität mitbringen.
Also ich selbst finde das vollkommen legitim und es ist die Spielerentscheidung.
Als SL lasse ich Crossgender play zu und ich spiele auch selbst als Mann aktuell hauptsächlich 2 weibliche Figuren als meine Favoriten.
Es mag sicherlich Dinge geben, wie schlechte Erfahrungen die es nachvollziehbar machen. Ich hatte auch schon männliche Mitspieler, die eine Frau extrem klischeehaft und gar nur als Sexualobjekt verkörperten und das widert mich selbst an.
Aber letztlich heißt das nicht, das das alle so tun sondern eben Einzelfälle gibt es immer.
Ich hab auch Leute die spielen Zwerge oder Paladine ganz furchtbar egozentrisch und respektlos im Verhalten.
Da kann man jetzt aber auch nicht die Klasse oder das Volk deswegen bannen.
Ganz am Anfang meiner SL Phase muss ich zugeben das ich auch dagegen war.
Es lag aber vor allem an der Erfahrung das viele Männer die Frauen gespielt haben die einfach immer das Klischee vom dummen naiven blondschen verkörpert haben was mich persönlich damals einfach super stark genervt hat.
Heutzutage ist es mir aber vollkommen egal Hauptsache der Charakter erzählt eine gute Geschichte und spielt mit der Gruppe zusammen
Ich denke zum Einen sind die schlechten Erfahrungen eine Sache, die hier schon genannt worden sind ein Problem und zum Anderen die Tatsache, dass ein Ork, Wikinger, Magier, Schwarzenegger, etc selten mit am Tisch sitzt und zuschauen kann, wie das Gegenüber einen ‘selbst’ darstellt.
Zu Anfangs war ich deshalb auch eher dagegen, wenn jemand Crossgender betrieben hat - meist fielen die gespielten Damen in diese eine oben schon erwähnte Rolle. Gefühlt scheint auch jede rollenspielende Person mindestens ein Beispiel dazu erlebt zu haben. Woraus sich schließen lässt, dass es doch sehr häufig vorkommt…
Dass mir jemand gesagt hat, ich solle als Frau keinen Mann spielen hatte ich bis jetzt hingegen nur einmal.
Inzwischen konnte ich meine Meinung zu Crossgender differenzieren. Ich mag es nicht, wenn man der Meinung ist, dass der Charakter nur in Geschlecht A geht, weil Eigenschaft Y Geschlecht A niemals haben kann. Das ist nun mal Unfug. Mit einem solchen Mindset am Tisch möchte ich nicht wirklich meine Freizeit verbringen.
Man muss aber auch sagen, dass es über die Jahre besser geworden ist und die Spielenden sich entweder gar keine großen Gedanken zu der Persönlichkeit des SC machen und dann ist das Geschlecht eher egal oder sich mehr und mehr von Klischees lösen, um eine interessante Persönlichkeit haben.
Ich selbst bin am Anfang eher bei meinem Geschlecht geblieben, weil ich das wollte. Hab schon immer viel die Spielleitung gegeben, dass man dort ausprobieren konnte. Beim Spielen selbst wollte ich, dann schlicht mehr ich selbst sein.
Inzwischen hab ich auch Jungs dabei. Wobei da eher nicht die Muskelprotze dabei sind.
Als ich meinen ersten weiblichen Charakter spielte, dachte ich darüber nach wie man am besten eine Frau verkörpert aber genau das ist ein Denkfehler.
Männer und Frauen können jede Eigenschaft besitzen und es bezieht sich eher auf sozialisierung das sie unterschiedlich sind.
Also ist es in meinen Augen viel sinnvoller einfach sich gar keine Gedanken zu machen wie man ein Geschlecht darstellt weil genau das dazu führt, das man in einem Klischee verkommt, anstatt den Charakter als Unikat zu sehen und eigenständige Figur.
Eine Frau kann eben jede Eigenschaft besitzen wie ein Mann wie gesagt.
Wenn ich also crossplay mache, dann ignoriere ich den Fakt das die Figur eine Frau ist und spiele sie genau so wie sie mir vorstelle ohne irgendwas darauf zu beziehen das sie ein bestimmtes Geschlecht hat.
Ich entwerfe sie ganz so wie es für mich passt.
Ich hab bisher auch positives Feedback auch von weiblichen Mitspielern davon erhalten.
Gerade weil solche Klischees öfters kuriosieren und ich selbst schon erlebte.
Eine Eigenschaft ist auch nicht “maskulin” oder “feminin”. Auch wenn das sicherlich weit verbreitet ist so zu denken.
Ein Mann kann genau so gut mitfühlend, empathisch und emotional intelligent sein, wie auch eine Frau eine starke und verantwortungsbewusste Anführerin sein kann, rational intelligent.
Beides sind Eigenschaften die man jeweils dem anderen Geschlecht zuordnen würde aber letztlich kann jeder alles sein.
Klischees sind eben nicht sinnvoll in meinen Augen und schaffen letztlich nur weitere schlechte Erfahrungen.
Mir ist es zum Glück seit Jahren nicht mehr untergekommen, dass jemand ein Problem damit hat. Dafür in letzter Zeit gleich in 2 Online-Runden Personen, die konsequent meinen Charakter misgendert haben, weil “männliche Stimme, aber der Charakter ist weiblich” anscheinend die Vorstellungskraft übertraf…
Wobei ein Mangel an Vorstellungskraft natürlich nichts Verwerfliches ist. Eine Mitspielerin erzählte vor Jahren tatsächlich mal, dass sie sich Charaktere äußerlich grundsätzlich so vorstellt wie die Spielenden und dementsprechend z.B. auch Schwierigkeiten damit hat, wenn ein kräftig gebauter, bärtiger Mann einen zarten, milchgesichtigen Elfen spielt… Fand ich krass. (Der Unterschied war natürlich: Sie hat das richtig als ihren eigenen Mangel an Fantasie benannt und nicht von den Mitspielenden erwartet, dass sie nur spielen, was sie sich gut vorstellen kann.)
Daneben kann ich auch das Argument schlechter Erfahrungen mit männlichen Personen, die weibliche Charaktere spielen, durchaus nachvollziehen (wobei es ja nun nicht so ist, als würden Frauen nie sexistische Frauenklischees spielen… aber das ist vielleicht ein anderes Thema )
Was man aber, ohne das hier allen Gegner*innen von “Crossplay” unterstellen und das Thema unnötig aufheizen zu wollen, sicher auch erwähnen muss, ist schlicht Transphobie und heteronormatives Denken. Zumindest würde es mich mal sehr interessieren, was die Reaktion wäre, wenn ich auf die Vorgabe, dass man sein eigenes Geschlecht spielen muss, frage: “Oh, muss ich wirklich einen nichtbinären Charakter spielen, oder wäre ein Cismann auch OK?”
Als SL erlaube ich das ganz selbstverständlich, wobei Sexismus, auch unabhängig davon, nicht geduldet wird.
Wobei das Geschlecht auch keine Auswirkungen in meinen Gruppen hätte, so Detailliert spielen wir dann doch nicht und um ernsthaftere Beziehungen geht es auch nicht.
Selbst spiele ich hauptsächlich männliche Charaktere, hin und wieder aber auch mal eine Frau, wieso auch nicht.
ich persönlich kann es nicht nachvollziehen- du kannst sein, was du willst, Elf, Orc, Vampir, Alien… aber nicht das andere Geschlecht spielen? Ich muss ehrlich sagen, dass mir das mit der Stimme im Spiel nicht mehr auffällt und ich bisher nur in Runden war, in denen es eher die seltene Ausnahme ist, wenn jemand mal sein eigenes Geschlecht spielt.
Ich (w) habe von Anfang an männliche Charaktere gespielt und war ewig gar nicht auf die Idee gekommen, einen weiblichen zu spielen. Inzwischen habe ich drei mal ausprobiert und eine würde ich auch noch mal spielen… aber das ist auch eine absolute Ausnahme.
Es gibt einfach Dinge, die ich nicht spiele, weil ich daran keinen Spaß habe. Das sind z.B. Zwerge, Tierwesen und weibliche Charaktere.
Sollte diese Debatte tatsächlich ernsthaft ein Ding sein, müsste ein GM folgerichtig auch nur NPCs des eigenen Geschlechts spielen dürfen. Wer sagt denn, dass der SL nicht selbst ein verkappter Sexist ist oder dass sich die Spieler an einer schlechten Imitation des anderen Geschlechts stören? Noch problematischer wird es, wenn man Mitspieler hat, die sich keinem Geschlecht zugehörig fühlen oder sich als Mischform identifizieren. Ich hatte persönlich noch nie Probleme damit, aber ich glaube einfach nicht, dass solche Verbote dem darstellerischen Kern des Rollenspiels guttun. Gerade der Rollenspiel-Anteil kommt bei Pen & Paper sowieso oft schon zu kurz, da sollten wir ihn nicht noch zusätzlich einschränken.