Logik schlägt Idee! Oder?

Hallo an alle,

ich hätte ganz gerne einmal Ihre Meinung zu einem Punkt, den ich gestern beim Rollenspiel erleben durfte, und bei der ich persönlich nicht sicher bin, ob ich eher für mich sagen sollen: Ja, klar, hgätte passieren können, deswegen war meine Idee doof oder also, wenn das vom Master so umgesetzt worden wäre, hätte er eher Strafe als Spiel gefördert.

Kurzes Szenario DSA 5, die Heldentruppe und eine Händlergruppe werden in einer Schlucht in einen Hinterhalt gelockt. Der Spielleiter lässt am oberen Rand der Schlucht einen Ork auftreten, der den SCs und NSCs runterruft, sie sollen all ihre Waren und Waffen abgeben und sich ergeben, wenn ihnen ihr Leben lieb ist.
Ich spiele einen (vorgegebenen) Magier und komme auf eine Idee, dass ich mich mittels eines Zaubers auf den Schluchtenrand teleportiere um zu schauen, wie viele Gegner von oben in den Kampf eingreifen könnten und eventuell, wie viele Gegner unten in der Schlucht auf einen lauern.
Nachdem ich auf dem Schluchtrand war und geschaut habe, erklärte mir der SL, dass es nur einen Ork zu sehen gebe.
Daraufhin hatte ich die Idee, dass ich nochmal den Zauber anwende (der allerdings 8 Aktionssrunden braucht, bis ich ihn nutzen kann) mich dann aber direkt hinter den Ork teleportiere und ihn - hinterunkumpelig wie ich bin - einfach runterschubse.
Hat der SL auch durchgehen lassen.

Aber bei der Nachbesprechung hat einer der Spieler sich ein wenig darüber echauffiert (naja, eigentlich zwei Spieler, eine der beiden Spielerinnen meinte, dass mein Move einfach zu kreativ war), weil er meinte: Im Grunde genommen eine nette Idee, aber da es durchaus hätte sein können, dass der Ork sich in diesen 8 Aktionsrunden bewegt, war sie eigentlich unüberlegt. Ich hätte dies als Spieler berücksichtigen müssen. Wäre er SL, er hätte diese Idee nicht durchgehen lassen

Klar, von der Logik her hat er recht. Rein theoretisch hätte der Ork sich bewegen können, nach hinten oder links oder rechts laufen. Kein Thema.
Aber auf der anderen Seite denke ich mir, dass eine solche Überlegung Ideen von vornherein tötet. Getreu dem Motto: Wir könnten durch diese Tür gehen, aber weil da rein theoretisch eine Orkhorde von 100 Monstern steht, lassen wir sie zu. Ein “Ich hätte es nicht durchgehen lassen” klingt mir zu sehr nach: “Nein, ich will nicht, dass du das machst!”
Wie sehen Sie das als SL? Sollten Ideen blockiert werden, weil sie nicht die Logik berücksichtigen, weil rein theoretisch etwas sein kann? Oder sagen Sie sich eher: Ideen first, und wenn sie gut sind, dann erst recht.
Und auf welche Seite sehen Sie das als Spieler? Lassen Sie Ideen fallen, wenn Sie finden, dass sie ja nicht die Logik berücksichtigen? Oder setzen Sie sie um und sind dann ein bisschen “grummelig”, wenn der SL einem in die Suppe spuckt?

Neugierige Grüße
Feuertraum

Ich finde, dass es beim gemeinsamen Rollenspiel wichtig ist, dass sich alle auf einer Ebene des “Was ist möglich finden”. Es mag Welten und Settings geben in denen eine schöne Idee funktioniert nur weil sie eben schön ist. Wie in Cartoons oder Traumwelten, da malt mit Kreide eine Tür an die Wand und geht durch… (oder wirft die Bombe in den Reaktorraum).

In Aventurien ist der selbst ernannte fantastische Realismus üblich. Also ja, warum nicht herum teleportieren und Orkse hinterrücks umbringen. Ich als SL sehe in Deinem Beispiel aber auch ganz viele Möglichkeiten, dass es eben nicht klappt. Der Ork könnte nicht nur weg gehen, sondern genauso irgendwas bemerken. Den Zaubervorgang, dass einer der Personen nicht mehr in der Schlucht ist oder hören, dass hinter ihm jemand auftaucht, sich darauf wehren oder schlicht zu kräftig sein um sich herumschubsen zu lassen oder den Magier mitreisen. Der Ork scheint ja nicht ganz blöd zu sein, wenn er mit einem Bluff versucht den Wagenzug überfallen.

Also ich geben meinen Orks genauso eine Chance. Ein SC, der von einem solchen Angriff überrascht werden solle, würde ebenso auf ein paar Proben bestehen, um die Sache zu bemerken, sich nicht einfach schubsen zu lassen oder beim Fallen irgendwie abrollen oder sonstiges.

Gerade DSA bietet einige Möglichkeiten zu proben, wie heimlich und gut eine Aktion gelingt. Wenn schleichen, zaubern, schubsen, alles klappt, dann ist der arme Ork verdient den Hang runter gepurzzelt und es fühlt sich auch für Sie als Spieler gut an, wenn beide Seiten eine faire Chance hatten.

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Mir als SL würde die Vorstellung auch aufstoßen, dass der Ork 8 Runden einfach nur blöd rumsteht, während vor seinen Augen jemand einen Zauber wirkt. Coole Ideen ermöglichen vs. Regeltreue und Logik ist immer ein Spannungsfeld; in der Situation wäre ich aber eher auf der Seite von Zweiterem.

Ich denke aber nicht, dass man sich zwingend für das eine oder das andere entscheiden muss (Wir hatten da doch neulich erst den Thread zum Thema “Yes, but…”). Wenn mir die Spielenden eine gute Idee liefern, wie sie den Ork 8 Runden lang abgelenkt halten können oder wie der Magier den Zauber schneller wirken kann (für mehr Magiepunkte, Blutmagie, keine Ahnung, was sich da in DSA so machen lässt), würde ich da sicher mit mir reden lassen.

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Generell ist es mir wichtig, dass die Konsistenz der Welt gewahrt bleibt. Wir spielen natürlich nicht RPGs in fantastischen Welten, mit Magie, Drachen etc., um den absoluten Realismus zu erleben. Aber: Konsequenzen und Scheitern sind wichtig, damit das Handeln überhaupt Bedeutung hat. Wenn immer alles funktioniert, dann wird das Erlebte irgendwann beliebig. Damit erzählt man keine interessante Geschichte.

Aus dem Grund würde ich dieser Schlussfolgerung:

Aber auf der anderen Seite denke ich mir, dass eine solche Überlegung Ideen von vornherein tötet. Getreu dem Motto: Wir könnten durch diese Tür gehen, aber weil da rein theoretisch eine Orkhorde von 100 Monstern steht, lassen wir sie zu.

auch widersprechen. Das ist kein Beispiel für Logik vs. Idee, das ist ein Beispiel für zögerliche Spieler. Als Spieler muss ich auch bereit sein, Risiken einzugehen, trotzdem durch die Tür zu gehen, im Zweifel schnell zurück zu rennen etc.

Auf das konkrete Beispiel angewandt: Natürlich kann der Zauberer versuchen, sich hinter den Ork zu teleportieren und ihn herunterzuschubsen. Der Ork ist nur wahrscheinlich stärker, das heißt, der Erfolg der Schubs-Aktion ist ziemlich unwahrscheinlich. Als Spieler sollte ich mir dann entweder eine andere Idee überlegen - oder eben bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Auch im Scheitern geht die Geschichte ja weiter.

Ein anderer Gedanke: Eine Idee ist aus meiner Sicht auf RPGs dann gut, wenn aus ihr interessante Ereignisse folgen. Sprich, es werden interessante neue Konflikte und Probleme geschaffen. “Die Gruppe lenkt den Ork ab, der Zauberer teleportiert sich, muss sich aber etwas überlegen, weil der Ork stärker ist” ist für mich in dieser Hinsicht interessant. “Zauberer teleportiert sich, schubst den Ork, und die SL sagt, es klappt einfach alles” aber eben nicht. Von daher würde ich sagen: Logik bzw. Konsequenzen behindern nicht gute Ideen, sie fördern sie - wenn man bereit ist, trotzdem durch die Tür zu gehen.

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Kampfrunden sind Zeiteinheiten im Kampf, bei DSA 5 “2-5 Sekunden”, wenn ein anderer Charakter in der Zeit mit dem Ork redet, halte ich 16-40s auf der gleichen Position nicht für unglaubwürdig.

Ich hätte dann allerdings auch ein paar eher knifflige Proben für den Magier angesagt, und vor allem den Rest der Gruppe nach Möglichkeit eingebunden, die dann z.B. soziale Proben ablegen.
So Einzelgänge finde ich allgemein problematisch, würde da auch erfahreneren Spielenden dazu raten, die Gruppe jeweils mitzudenken.

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Stimme allen meinen Vorschreibern zu - auf die eine und auf die andere Art.
Wäre ich Spielleitung, müsste ich hier zwischen “Rule 4 Cool”, “Geschichte zum Erzählen”, “Gewagter Einzelaktion” und “Möglicher Überschätzung des Zauberes” abwägen.
Wäre ich Spieler, hätte ich so etwas nicht gewagt - oder zumindest nicht so.