Paizo entzieht Archives of Nethys die Exklusivrechte – Ist das Open-License-Experiment gescheitert?

Hallo zusammen,

habt ihr schon mitbekommen, dass Paizo die Partnerschaft mit Archives of Nethys beendet hat (wirksam ab 24. Juli)? AoN bekommt keine Early-Access-PDFs und das meiste Artwork mehr, weil keine Royalties geflossen sind.

Was ist eure Meinung dazu?

  • Ist das eine absolut normale und verständliche geschäftliche Entscheidung?

  • Steckt Paizo vielleicht in einer finanziellen Krise?

  • Ist die Politik der freien Lizenzen damit (teilweise) gescheitert?

  • Wie ist eure generelle Einstellung zu Paizo? Mögt ihr die Firma?

  • Habt ihr euch schonmal dazu hinreißen lassen, ein Produkt von Paizo zu kaufen, nur weil ihr die Firma mögt – auch wenn ihr es eigentlich nicht zwingend gebraucht habt?

Freue mich auf eure Gedanken!

Es ist bereits Bekannt, dass Paizo zur Zeit in finanziellen Schwierigkeiten steckt dank der Situation wegen Diamond Comics’ Insolvenz und den Beständen von Büchern im Wert ca. 10 millionen, die durch den damit ausgelösten Rechtstreit in den Lagern von Diamond Comics blockiert werden. Deswegen musste Paizo auch vor kurzem einige Leute entlassen mit der Aussicht, diese wieder einzustellen sollte sich die Lage im nächsten halben Jahr verbessern.

Dies hat allerdings überhaupt nichts mit der Politik der freien Lizenzen zu tun und wird auch nichts dran ändern, dass die Regeln zu allen Editionen von Pathfinder und Starfinder kostenlos bei Nethys zu finden sein werden. Wie du bereits beschrieben hast gibt es zumindest nach dem aktuellsten Stand nur kein Artwork mehr auf Nethys und kein Early-Access zu den PDF’s, wodurch es noch etwas länger dauern wird, dass neues Material dort hochgeladen wird. Und das auch nur, falls sie nicht im Verlauf der nächsten Tage/Wochen/Monate zu einer neuen Vereinbarung kommen.

Und ja, ich mag Paizo als Firma generell, da sie im Vergleich einerseits ethischer vorgehen als so manch andere große Firma in diesem Marktbereich und auf der anderen Seite auch deutlich besseren Content entwickeln und nicht irgendwelchen Slop rausbringen um die Verkaufszahlen zu erhöhen den die Spielleiter dann ingame mit Hausregeln fixen müssen.

Auch hier ja, mehrfach. Man braucht keins der Regelbücher von Pathfinder/Starfinder, da alle Regeln kostenlos online zu finden sind. Aber es ist schon schön physische Bücher zum nachlesen bei sich zu haben und dass man dann damit auch die Firma unterstützt ist ein großes Plus in meinen Augen

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Stimmt, Paizo unterstützt die Spieler insgesamt immer noch sehr stark.

Trotzdem finde ich diesen Schritt ziemlich untypisch für Paizo.

AoN hat ihnen keine direkten Kosten verursacht. Die PDFs und Artwork-Dateien waren ja schon vorhanden. Sie haben ihnen lediglich die Exklusivrechte entzogen, weil keine Tantiemen geflossen sind. Das wirkt auf mich unnötig streng und „ohne Not“.

Früher hat Paizo Fan-Projekte wie AoN aktiv gefördert und als positives Aushängeschild gesehen. Jetzt scheint sich da ein gewisses Umdenken in der Firmenpolitik anzudeuten: Wenn es nicht direkt Geld bringt, dann wird die Sonderunterstützung eingestellt. Das ist zwar legitim, sendet nach außen aber eine eher negative Botschaft an die Community.

Das Finde ich schade.

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Was das angeht stimme ich voll zu.

Diese Aktion sehe ich als untypisch und als nicht klug, da es die Fangemeinde doch sehr beunruhigt hat, mich eingeschlossen.
Vielleicht kann man das wirklich als Zeichen sehen, dass die finanzielle Lage bei ihnen doch arger ist als vermutet. Da kann man nur hoffen, dass sie die Situation noch umdrehen können ehe sie noch mehr Gutwillen durch sowas verlieren. So oder so wünsche ich ihnen, dass sie baldig gute Nachrichten bezüglich den anderen Situationen bekommen und sich ihre Lage auch entspannt.

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Ich finde auch, dass die Diamond-Insolvenz Paizo hart trifft, möchte aber noch auf einen Punkt eingehen der mich hier beschäftigt.

Der Verlust von Büchern im Verkaufswert von ca. 10 Millionen klingt dramatisch, ist aber nicht ganz so katastrophal, wie es auf den ersten Blick wirkt. Der größte Teil dieses Wertes liegt nicht im physischen Material (Papier, Druck, Logistik), sondern im geschützten geistigen Eigentum (Urheberrecht). Diamond bzw. der Insolvenzverwalter darf die Bücher nicht einfach selbst verkaufen oder an Dritte weitergeben, das bleibt Paizos geistiges Eigentum.

Das eigentliche Problem war deshalb vor allem der komplette Wegbruch eines wichtigen Vertriebsweges. Viele Monate lang konnten Paizo-Produkte nicht oder nur eingeschränkt in den Handel kommen.Allerdings: Der Markt wurde in dieser Zeit nicht von anderen Verlagen oder Raubkopien massiv bedient. Das heißt, ein großer Teil des ausgefallenen Umsatzes ist nicht verloren, sondern lediglich nach hinten verschoben. Sobald die Bücher wieder verfügbar sind, sollte ein guter Teil davon nachgeholt werden können.

Genau aus diesem Grund sehe ich keine direkte Verbindung zwischen der Diamond-Situation und der Kündigung der AoN-Partnerschaft. AoN hat Paizo schließlich keine nennenswerten Kosten verursacht. Das wirkt eher wie eine separate, sehr strenge geschäftliche Entscheidung.

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Das sehe ich etwas anders.
Auch wenn Paizo sehr beliebt ist als Firma bzw. Pathfinder den Markt nach DnD als zweitstärkstes System abdeckt, so waren ihre Gewinne zumindest soweit ich es gehört habe gerade so im schwarzen Bereich.
Gut, da kann man gerne drüber diskutieren, was ‘gerade so’ bedeutet, wenn man keine genauen Zahlen kennt, ich hab nur gehört, dass sie keine Wahnsinnsgewinne eingefahren haben vermutlich auch da sie eben Qualität liefern wollten und entsprechend auch für die Qualität (gut) bezahlen.
Um das am laufen zu halten fließen die Einnahmen durch den Verkauf ihrer physischen Medien halt auch sehr wahrscheinlich direkt in die Produktion und Entwicklung neuer Medien. Wenn da dann auf einmal so ein großer Brocken wegen sowas wegfällt mit dem du geplant hast und du trotz allem deine Rechnungen bezahlen musst, da wird unumgänglich, dass du dann versuchst aus allen Ecken Geld zusammen zu kratzen bzw. an allen Ecken und Enden zu sparen.

Wie in der vorherigen Nachricht beschrieben stimme ich dir zu, dass die Kündigung der Partnerschaft aufgrund Royalties ein dummer Schachzug war aus Sicht einer nicht involvierten, dritten Person, aber auf der anderen Seite könnten sie halt auch so verzweifelt sein wegen ihrer Lage.

Man muss nämlich dabei bedenken, dass es auf der einen Seite nicht nur JP Chase als Gläubiger von Diamond Comics’ ist, der dort Probleme macht indem sie einen Anspruch auf die Produkte in den Lagerhallen von Diamond Comics erheben, darunter Paizo’s Bücher obwohl Paizo nur einen Consignment Vertrag mit ihnen hatte.
Es ist auch Diamond Comics selbst die sich da explizit quer stellen und versuchen das Problem für die anderen zu verschlimmern, da sie trotz Insolvenz drauf beharren, dass Paizo (und andere Partner) den exklusiv-Vertrag mit ihnen einhält so dass Paizo eben nicht über andere Dienstleister Bücher ausliefern/verkaufen konnte und Einnahmen generieren/das Finanzloch stopfen konnte. Deswegen versuchte Paizo (und die anderen Partner) dieses Problem per Gerichtsurteil zu lösen nur statt das Urteil zu akzeptieren stellte sich Diamond Comics nochmal extra quer und fechteten das Urteil an, was in meinen Augen schon sehr in den Bereich Unternehmenssabotage geht.

Selbst wenn man davon ausgeht, dass die eigentlichen Kosten für die Bücher vielleicht bei knapp 40% oder so von den 10 Millionen liegen, da PDF Versionen der Regelbücher generell 50% weniger kosten und man damit rechnen kann, dass von diesen 50% mehr für Hardcover Versionen sowas wie Druck, Papier und Logistik bezahlt werden dann liegen die Kosten für den reinen Druck und Vertrieb der Bestände, an die sie nicht rankommen bei knapp 4 Millionen. Sprich der Verkauf der Bestände hätte effektiv die 2.5-fache Produktion von zukünftigen Büchern finanziert, wenn man da auch alle anderen Kosten wie die Entwicklung des geistigen Eigentums mal außen vor lässt.

Nimmt man das zusammen mit dem Aspekt, dass sie eben keine riesen Gewinnmarge haben wie ihr größter Konkurrent und dies vermutlich eins ihrer Haupteinkommen ist, dann kann man zumindest aus meiner Sicht schon sehen, dass die Situation mit Diamond Comics einen großen Einfluss auf die Entscheidung zwischen Paizo und AoN hatte.

Wie du richtig gesagt hast, AoN war mitunter eins der ‘Fan-Projekt’-Flagschiffe, welches Paizo jahrzehnte lang unterstützt hat. Ich sehe sonst keinen Grund, warum die Führung bei Paizo gerade jetzt und gerade wegen Royalties diese Partnerschaft kappen sollte. Das einzige, was da für mich Sinn macht ist eben die finanzielle Notlage dank JP Chase und Diamond Comics’

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Ich gehe bei der Diamond-Geschichte größtenteils mit dir mit – die Lage ist für Paizo wirklich unangenehm. Die Formulierung „Unternehmenssabotage“ finde ich allerdings etwas zu scharf, das ist eher knallhartes Insolvenzgerangel.

Trotzdem würde ich gerne nochmal zurück zur meiner Ausgangsfrage kommen: Ist das Open-License-Experiment damit (teilweise) gescheitert oder zumindest an seine Grenzen gestoßen?

Paizo war jahrelang extrem großzügig mit freien Regeln. Das hat ihnen geholfen Spieler zu gewinnen. Aber genau diese Großzügigkeit sorgt jetzt offenbar dafür, dass sie bei einer Krise an der Basis sparen müssen. Könnte es sein, dass Paizo durch ihre fanfreundliche und offene Politik weniger krisenfest geworden ist als ein Verlag, der stärker auf geschlossene Inhalte und Abos setzt? Und ist der AoN-Fall nicht nur ein Diamond-Effekt, sondern auch ein Zeichen dafür, dass der Balanceakt zwischen Generosität und Wirtschaftlichkeit bei Paizo eine ungünstige Schlagseite bekommen hat?

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Wie du richtig sagst die diese Großzügigkeit mit den offenen Regeln Paizo geholfen ihre Fanbase soweit und so groß aufzubauen. Ohne das hätte Paizo heute vermutlich nicht die Größe, die die Firma zurzeit hat.

Wenn wir Paizo mit WotC vergleichen, sprich die Firma mit dem zweitgrößten Marktanteil mit der Firma die den größten Marktanteil hat und die eine ganz klar andere Firmenpolitik zu den öffentlichen Regeln vertritt und was zur Gründung der ORC-Lizenz geführt hat, da könnte man denken das Paizo’s fanfreundliches auftreten eben nicht so krisenfest ist wie die Firmenpolitik von WotC. Schließlich hat WotC sich vor nicht allzu langer Zeit ja auch von mehreren Krisen erholt, sprich dem OGL-Skandal, der Pinkerton Situation mit dem Magic Youtuber, den mehreren Entlassungsrunden über mehrere Jahre kurz vor Weihnachten und den Druck von der Hauptfirma für WotC AI zu benutzen.
Aber in meinen Augen muss man hier dann auch was mehr ins Detail gehen und schauen was beide Firmen neben ihrer Politik zu den Regeln noch so auftischen.
Auf der einen Seite haben wir Paizo die so ziemlich drei Einkommensströme haben. Der größte ist ihr qualitativ hochwertige Analoge Produktion zu Rollenspielmaterialien. Also alle Hardcover Bücher, Supplements wie die Pawn Boxen, Mappacks etc.
Der zweite Einkommensstrom wäre die Digitale Kehrseite zu ihren Rollenspielmaterialien, sprich die PDF Versionen der Bücher und Supplements aber auch die ganzen Module für die ganzen VTT’s wie Foundry, Roll20, Fantasy Grounds u.ä.
Und dann kommt noch der kleinste Einkommensstrom dazu durch Lizenzen, die an Spieleentwickler wie Owlcat Games vergeben wurden und die entsprechend auch was eingebracht haben. Da nimmt Paizo in naher Zukunft ja durch weitere Games von anderen Entwicklern vermutlich auch noch etwas ein, aber das ist im vergleich zu den anderen Einkommensströmen eher nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Dann hat man WotC auf der anderen Seite.
Wie Paizo produzieren sie analoge und digitale Rollenspielmaterialien und sie haben unter anderem dank Baldur’s Gate 3 auch schon den ein oder anderen Penny durch Lizenzen eingenommen. Nur im Vergleich zu Paizo’s Materialien ist die Qualität der Inhalte zumindest in meinen Augen deutlich geringer. Da würde ich argumentieren, dass ihre Gewinnspanne dank billigerer Produktionskosten auch größer ist als bei Paizo.
Aber daneben produziert WotC auch noch Magic the Gathering, das größte TCG der Welt wo sie in den letzten Jahren mit ungewöhnlich vielen verschiedenen Sets zu allen möglichen Nerd IP’s noch Unmengen an Gewinn generiert haben.
Und zusätzlich ist da auch noch Hasbro hinter WotC.
Klar, WotC war in den letzten Jahren das lukrativste Geschäft Hasbros, dass ihnen am meisten Gewinn eingebracht hat während zahlreiche andere Geschäfte Hasbros eher rote Zahlen schreiben. Aber dennoch steckt in Hasbro viel Geld was benutzt werden kann, um temporäre Gewinnverluste ohne große Probleme auszugleichen.
Paizo ist im Vergleich zu WotC und Hasbro ein lokaler, spezialisierter Händler während WotC und Hasbro dagegen nen Drachen mit einem gewaltigen Goldschatz darstellen.
Den Drachen stört es nicht wenn er durch einen seiner Raubzüge (sprich Skandale) ein Dorf niederbrennt, dass ihm eigentlich regelmäßig Tribute geliefert hat. Er hat genug andere Dörfer mit Tributen, die diesen Verlust ausgleichen bevor sich die Situation am Ende nach einer Weile von allein wieder beruhigt.
Der spezialisierte Händler könnte beim kleinsten Fehler halt direkt alles verlieren, da praktisch seine ganze Produktion von einem Einkommensstrom abhängt. Da kann die kleinste Unterbrechung alles zusammen fallen lassen. Selbst wenn die Unterbrechung nicht von dem Händler sondern einem seiner Geschäftspartner ausgeht. Das ist die Definition von ‘putting all eggs into one basket’

Tatsächlich würde ich sogar argumentieren, dass Paizo’s großzügige Firmenpolitik einer der Gründe ist, warum Paizo überhaupt noch versuchen kann die Situation umzudrehen und nicht bereits Insolvent gegangen ist.
Wie bereits gesagt hat Paizo sich durch diese Firmenpolitik und den generell Qualitativ hochwertigen Produkten zur zweitgrößten Firma in diesem Markt hochgearbeitet hat.
Hätten sie jetzt aber als Beispiel im letzten Jahr um ihre Gewinnmarge zu erhöhen an der Qualität ihrer Produkte geschraubt um die Kosten zu senken und/oder angefangen ihre Firmenpolitik bezüglich der Regeln langsam zu verändern, da hätten sie meiner Meinung nach einen großen Batzen ihrer Spieler verloren bzw. sie hätten eine gewisse Zögerlichkeit entwickelt was den Einkauf der Produkte von Paizo angeht. Dies hätte Paizo zwar nicht ins aus geschickt und vielleicht im Verlauf der nächsten Jahre sogar gestärkt, aber es hätte die Firmenstellung zumindest kurzfristig deutlich geschwächt. In diesem Zustand hätte die jetzige Situation Paizo definitiv den Gar ausgemacht.
Tatsächlich denke ich, dass Paizo in dieser Situation noch steht, eben weil sie einen solchen Gutwillen bei ihren Fans aufgebaut haben durch unter anderem die freie Regelsituation. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Fans zur Unterstützung als die Situation bekannt wurde auch nochmal hier und da extra Kopien von Büchern/PDF’s bestellt haben, die dann als Geschenke zu Freunden und Verwandten gewandert sind.

Daher denke ich alles in allem, dass das Open-License-Experiment nicht gescheitert ist. Vielleicht wird es noch an seine Grenzen gehen und Paizo wird trotz Support wegen dem Experiment dennoch zumachen. Aber auf der anderen Seite kann ich mir auch gut vorstellen, dass Paizo die Situation gerade wegen dem Support durch die Open-License überstehen kann und sich erholen kann.
Zumindest hoffe ich es sehr, dass es so ausgeht und wünsche es ihnen auch.

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Danke für die ausführliche Antwort, man merkt, dass du tief in der Materie steckst. Deine Analyse der Einkommensströme finde ich sehr spannend und ich bin größtenteils bei dir.

Bei der Schlussfolgerung bin ich jedoch nicht ganz einverstanden. Ich glaube nicht, dass Paizo sich in einem fragilen Status befindet. Das Produkt ist ausgereift und etabliert – existentiell bedroht sind sie meines Erachtens nicht.

Trotzdem haben sie folgende Situation geschaffen: Sie bieten ein komplett kostenlos nutzbares Spielgerüst an und verdienen ihr Geld vor allem mit „Kosmetik“ – also hochwertiger Lore, guten Abenteuern und Merch.

Dieses Modell funktioniert grundsätzlich, und Paizo hat sich eine stabile, sogar weiter wachsende Playerbase aufgebaut. Das Problem ist allerdings: Dieses Free-to-Play-Gerüst ist extrem offen und kompatibel mit allen möglichen anderen Fantasy-Produkten. Homebrew ist sehr einfach, die Lore bekommt man für wenig Geld (Humble Bundle etc.), und viele Spieler nutzen PF2e intensiv, ohne nennenswert Geld bei Paizo zu lassen.

Für mein wirtschaftliches Verständnis ist dieser Markt auffallend offen und schlecht geschützt. Ich bezweifle deshalb, dass der Goodwill der Fans langfristig ausreicht, um das Modell wirklich stabil zu halten.

Okay, ich gebe zu in dem Aspekt war ich in dem Moment ein wenig zu dramatisch. Ich glaube auch nicht wirklich, dass Paizo hieran in die Insolvenz geht. Wahrscheinlicher ist, dass sie in naher Zukunft hier und da noch einige Entscheidungen treffen werden, die ihnen kurzfristig ein wenig Luft zum atmen bringen wird, die aber langfristig mit Kosten und Konsequenzen verbunden sein wird. Und je länger diese Situation anhält, desto größer werden die entsprechenden Kosten und Konsequenzen und desto länger wird es dauern, bis wieder ein Status Quo einkehrt.

Wobei in meinen Augen fraglich ist, ob es der alte Status Quo wird oder ein neuer.
Aber eine Sache, bei der ich mir sicher bin ist, dass trotz allem das Free-to-play Modell erhalten bleiben wird wie es jetzt ist. Du sagst es ist fraglich, ob der Goodwill das Modell stabil halten wird.
Ich sage, dass das bereits bewiesen ist, da Paizo dieses Modell seit dem Start von Pathfinder 1e seit knapp 16 Jahren (mit einer kurzen Unterbrechung) verwendet hat. Und genau dieses Modell war einer der Gründe, warum sie heute Platz 2 auf dem Markt sind.

Ja, du hast recht, dass es viele Spieler gibt die die Regeln durch das FtP-Modell nutzen ohne jemals eins der Bücher von Paizo zu kaufen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Spieler, die Pathfinder eben nur wegen dem FtP-Modell angefangen haben und danach entschieden haben weiteren Paizo Content zu kaufen.
Hätte Paizo auch einen ‘Einstiegspreis’ wie DnD verlangt hätten sie damals kurzfristig mehr verdient. Aber ich würde auch sagen, dass ein großer Teil der Community heute nicht da wäre, da sie nur ‘haften’ geblieben sind weil sie es wegen den kostenlosen Regeln mal ausprobiert haben und sich in das System verliebt haben. Paizo hat sich da zwischenkurzfristigen Profit und langfristigem Wachstum (und den dadurch entstehenden Profit) eindeutig für das Wachstum entschieden. Und wurden dafür eben mit ihrer heutigen Position auf dem Markt belohnt.

Auch würde ich nicht sagen, dass WotC zum Beispiel mit ihrem Modell da viel besser da steht wenn es um Homebrew etc. darsteht. Klar gibt es bei Paizo auch Homebrew aber bei Paizo bezieht sich der Homebrew Aspekt mehr auf Erweiterungen des Systems durch neue Klassen, Ancestries, Backgrounds, Feats und Items.
Bei DnD gibt es zwei große Homebrew Aspekte, einerseits die Erweiterung des Systems aber andererseits auch die Reparatur des Systems. Zumindest in der 2014 Version des Systems kamst du beim Spielen nicht dran vorbei irgendwelche Aspekte deiner Kampagne anzupassen, weil sie laut System eigentlich nicht funktionierten. Das Problem gibt es bei Paizo zumindest seit der 2ten Edition in deutlich geringerem Ausmaß.

Aber das jemand was cooles, eigenes im System aufbauen und homebrewen will, dass ist in jedem System so seit Anfang von TTRPG’s so. Egal ob man dafür kostenlosen Zugang zu den Regeln hat oder nicht. Gleiches gilt für Kompatibilitätsversuche zwischen mehreren System. Da haben Spielleiter, Gamemaster u.ä. zu dem Thema schon alles mögliche zwischen mehreren Systemen probiert. Ich kenne Leute die eben in der klassischen World of Darkness versucht haben, mehrere Systeme für eine Runde zu kombinieren, sowas wie Werewolf mit Mage mit Vampire und mit Hunter. Mit unterschiedlichen Erfolgsgraden. Dadurch entstand soweit ich weiß ja auch die CoD, wo alle Ableger Systeme auf dem ‘Mensch’-System aufbauten damit die verschiedenen Ableger auch untereinander kompatibel waren.

Auch kenne ich Leute, die sowas ähnliches zwischen DSA und Midgard probiert haben, weil ihnen beide Systeme gefallen haben. Und weder die World of Darkness, noch DSA noch Midgard hatten ein Free-to-Play Modell für ihre Systeme. Wenn du es spielen wolltest, musstest du oder jemand aus deiner Runde eine Kopie der Bücher besitzen. Und natürlich haben die Spielleiter in jenen Systemen auch immer hier und da ihr eigenes Ding gedreht und irgendwelche Homebrew Elemente mit reingebraucht

Dazu kommt, dass es zb. bei DnD durch ihr Modell ein großes Problem gibt bzw. gab (weiß nicht, wie der aktuelle Stand ist, da ich mit 5E kurz vor dem Release von 5.5E aufgehört habe) nämlich die Piraterie. Nur weil WotC nen Eintrittspreis verlangt, damit du in dem System spielen kannst, heißt es nicht, dass jeder sich auf legalen Weg eine Eintrittskarte besorgt. Und das Problem hat Paizo eben nur in einem deutlich kleineren Ausmaß. Klar gibt es Leute die sich die Lore Bücher illegal holen, aber ich vermute die Anzahl der Leute die DnD rein mit den Regeln, die irgendwer auf irgendwelchen Illegalen Seiten in allen dunklen Ecken des Internets hochgeladen hat, spielen ist massiv größer als die Anzahl der Leute die sich eine Lore PDF irgendwo runtergeladen haben.

Schlußendlich würde ich auch sagen, dass das Free-to-Play Modell nach 15-16 erfolgreichen Jahren seinen Titel als ‘Experiment’ schon lange abgelegt hat und ich gehe auch sehr stark davon aus, dass das Modell bleiben wird, komme da was da wolle. Das zu Wechseln wäre ein Schuss in den eigenen Fuß für Paizo. Auch sieht man an der Piraterie Bewegung, dass das Eintrittskartenmodell kaum besser geschützt ist. Paizo hat nur deutlich weniger Anwaltskosten deswegen, da sie nicht hinter jeder illegalen Webseite herjagen müssen, die dann deswegen in allen dunklen Ecken des Netzes wie Pilze sprießen würden, so wie WotC es tun muss.

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Ja du hast recht, dass ihr Konzept aufgeht haben sie zur Genüge unter Beweis gestellt.