Okay, ich gebe zu in dem Aspekt war ich in dem Moment ein wenig zu dramatisch. Ich glaube auch nicht wirklich, dass Paizo hieran in die Insolvenz geht. Wahrscheinlicher ist, dass sie in naher Zukunft hier und da noch einige Entscheidungen treffen werden, die ihnen kurzfristig ein wenig Luft zum atmen bringen wird, die aber langfristig mit Kosten und Konsequenzen verbunden sein wird. Und je länger diese Situation anhält, desto größer werden die entsprechenden Kosten und Konsequenzen und desto länger wird es dauern, bis wieder ein Status Quo einkehrt.
Wobei in meinen Augen fraglich ist, ob es der alte Status Quo wird oder ein neuer.
Aber eine Sache, bei der ich mir sicher bin ist, dass trotz allem das Free-to-play Modell erhalten bleiben wird wie es jetzt ist. Du sagst es ist fraglich, ob der Goodwill das Modell stabil halten wird.
Ich sage, dass das bereits bewiesen ist, da Paizo dieses Modell seit dem Start von Pathfinder 1e seit knapp 16 Jahren (mit einer kurzen Unterbrechung) verwendet hat. Und genau dieses Modell war einer der Gründe, warum sie heute Platz 2 auf dem Markt sind.
Ja, du hast recht, dass es viele Spieler gibt die die Regeln durch das FtP-Modell nutzen ohne jemals eins der Bücher von Paizo zu kaufen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Spieler, die Pathfinder eben nur wegen dem FtP-Modell angefangen haben und danach entschieden haben weiteren Paizo Content zu kaufen.
Hätte Paizo auch einen ‘Einstiegspreis’ wie DnD verlangt hätten sie damals kurzfristig mehr verdient. Aber ich würde auch sagen, dass ein großer Teil der Community heute nicht da wäre, da sie nur ‘haften’ geblieben sind weil sie es wegen den kostenlosen Regeln mal ausprobiert haben und sich in das System verliebt haben. Paizo hat sich da zwischenkurzfristigen Profit und langfristigem Wachstum (und den dadurch entstehenden Profit) eindeutig für das Wachstum entschieden. Und wurden dafür eben mit ihrer heutigen Position auf dem Markt belohnt.
Auch würde ich nicht sagen, dass WotC zum Beispiel mit ihrem Modell da viel besser da steht wenn es um Homebrew etc. darsteht. Klar gibt es bei Paizo auch Homebrew aber bei Paizo bezieht sich der Homebrew Aspekt mehr auf Erweiterungen des Systems durch neue Klassen, Ancestries, Backgrounds, Feats und Items.
Bei DnD gibt es zwei große Homebrew Aspekte, einerseits die Erweiterung des Systems aber andererseits auch die Reparatur des Systems. Zumindest in der 2014 Version des Systems kamst du beim Spielen nicht dran vorbei irgendwelche Aspekte deiner Kampagne anzupassen, weil sie laut System eigentlich nicht funktionierten. Das Problem gibt es bei Paizo zumindest seit der 2ten Edition in deutlich geringerem Ausmaß.
Aber das jemand was cooles, eigenes im System aufbauen und homebrewen will, dass ist in jedem System so seit Anfang von TTRPG’s so. Egal ob man dafür kostenlosen Zugang zu den Regeln hat oder nicht. Gleiches gilt für Kompatibilitätsversuche zwischen mehreren System. Da haben Spielleiter, Gamemaster u.ä. zu dem Thema schon alles mögliche zwischen mehreren Systemen probiert. Ich kenne Leute die eben in der klassischen World of Darkness versucht haben, mehrere Systeme für eine Runde zu kombinieren, sowas wie Werewolf mit Mage mit Vampire und mit Hunter. Mit unterschiedlichen Erfolgsgraden. Dadurch entstand soweit ich weiß ja auch die CoD, wo alle Ableger Systeme auf dem ‘Mensch’-System aufbauten damit die verschiedenen Ableger auch untereinander kompatibel waren.
Auch kenne ich Leute, die sowas ähnliches zwischen DSA und Midgard probiert haben, weil ihnen beide Systeme gefallen haben. Und weder die World of Darkness, noch DSA noch Midgard hatten ein Free-to-Play Modell für ihre Systeme. Wenn du es spielen wolltest, musstest du oder jemand aus deiner Runde eine Kopie der Bücher besitzen. Und natürlich haben die Spielleiter in jenen Systemen auch immer hier und da ihr eigenes Ding gedreht und irgendwelche Homebrew Elemente mit reingebraucht
Dazu kommt, dass es zb. bei DnD durch ihr Modell ein großes Problem gibt bzw. gab (weiß nicht, wie der aktuelle Stand ist, da ich mit 5E kurz vor dem Release von 5.5E aufgehört habe) nämlich die Piraterie. Nur weil WotC nen Eintrittspreis verlangt, damit du in dem System spielen kannst, heißt es nicht, dass jeder sich auf legalen Weg eine Eintrittskarte besorgt. Und das Problem hat Paizo eben nur in einem deutlich kleineren Ausmaß. Klar gibt es Leute die sich die Lore Bücher illegal holen, aber ich vermute die Anzahl der Leute die DnD rein mit den Regeln, die irgendwer auf irgendwelchen Illegalen Seiten in allen dunklen Ecken des Internets hochgeladen hat, spielen ist massiv größer als die Anzahl der Leute die sich eine Lore PDF irgendwo runtergeladen haben.
Schlußendlich würde ich auch sagen, dass das Free-to-Play Modell nach 15-16 erfolgreichen Jahren seinen Titel als ‘Experiment’ schon lange abgelegt hat und ich gehe auch sehr stark davon aus, dass das Modell bleiben wird, komme da was da wolle. Das zu Wechseln wäre ein Schuss in den eigenen Fuß für Paizo. Auch sieht man an der Piraterie Bewegung, dass das Eintrittskartenmodell kaum besser geschützt ist. Paizo hat nur deutlich weniger Anwaltskosten deswegen, da sie nicht hinter jeder illegalen Webseite herjagen müssen, die dann deswegen in allen dunklen Ecken des Netzes wie Pilze sprießen würden, so wie WotC es tun muss.