Ich leite zwei Gruppen und erlebe PF2e dabei sehr unterschiedlich – und genau das ist für mich eine seiner Stärken.
In der einen Runde sitzt viel Regelkunde und vertieftes Systemwissen. Drei Supportklassen spielen mit einem Blaster. Die Kämpfe dauern eher lang, aber das Maß an Kontrolle, das die Gruppe über das Kampfgeschehen hat, ist so hoch, dass man es ruhig Minmaxing nennen kann. Die Synergien greifen, Conditions und Aktionsökonomie werden bewusst eingesetzt, und die Begegnungen fühlen sich oft wie ein Puzzle an, das die Gruppe aktiv löst.
Die zweite Runde ist eher Beer-and-Pretzels. Die Spieler nutzen fast ausschließlich die Tools, die sie unterwegs aufgesammelt haben, und halten gerne an ihren etablierten Mechaniken fest. In KampfenCountern haben sie es deutlich schwerer – aber bisher finden auch sie immer einen Weg, siegreich zu bleiben. Die Kämpfe sind spannender, unberechenbarer und weniger „gelöst“, sondern erlebt.
Was ich damit sagen will: PF2e ist für mich stark, weil es adaptiv zum Spielstil ist. Gelegenheitsspieler werden mit spannenden, nachvollziehbaren Kämpfen belohnt. Veteranen bekommen starke Synergien, die ihnen echte Vorteile in Encountern verschaffen und in das Gefühl eines Heldenepos führen.
Es wurde hier mehrfach zurecht gesagt, dass kaum ein Argument pauschal gilt. Der größte Faktor bleibt der SL. Trotzdem bietet PF2e einen Rahmen, dessen Regelwerk meist nachvollziehbar und gerecht wirkt: Es lässt Raum, Fehler zu verzeihen, erzeugt aber trotzdem in angenehmer Regelmäßigkeit überraschend fordernde Encounter.
Veteranenwissen führt zu einem echten Vorteil ist aber weder Voraussetzung für einen Erfolg noch ist der Powerspike absurd. Kein Spieler fühlt sich nutzlos im Vergleich zu einem anderen.
Genau diese Bandbreite – von kontrollierter Synergie bis zu „wir wursteln uns irgendwie durch und gewinnen trotzdem“ – ist für mich der Grund, warum das System an so unterschiedlichen Tischen funktioniert.