Session 0 - Demokratie oder Antidemokratie?

@Franz Ich führte doch lediglich Beispiele an. Dabei sollte es nur darum gehen, auf die Aussagen zu vermeintlichen Tendenzen in unserem Hobby einzugehen. Das hatte so direkt mit dem was ich danach aufführte nichts zu tun, ich sehe also nicht, wo irgendetwas zu vorschnell war. Außerdem wurde in dem aus meinem Beitrag zitierten Teil ein Satz ausgelassen, der es abgesehen davon auch noch relativiert.

Man kann auch ein noch so hehres Konzept auf dem Papier haben und letztlich ein (Überspitzung) Arschloch daraus machen, da man gerne ein Ritter in strahlender Rüstung wäre, dann aber doch die eigenen Charakterzüge zu stark einbluten, da man eventuell narzistische (und davon gibt es viele Vertreter) Züge hat und sich darüber versucht zu profilieren.

Um die Analogie aufzugreifen (und ich habe das Gefühl, dass vieles von dem, was ich schrieb, entweder gar nicht oder falsch aufgenommen, bzw. aufgegriffen wurde): das, von dem Bumbrazz und ich (und sicher auch noch andere hier) schreiben, ist das Lernen des Laufens, eine doch recht wichtige Grundvoraussetzung, bevor man überhaupt auch nur versuchen kann, dem Ball … nun, hinterher zu laufen.

Natürlich kann es sein, dass die Person Schwierigkeiten hat, ein Konzept zu visu- und realisieren. Aber genau darum ging es doch, als diverse Diskussionsteilnehmer die Wichtigkeit der Session 0 und Charaktererstellung in der Gruppe, bei der die zukünftigen Kreisligisten an die Hand genommen werden können, hervor hoben. Natürlich hast du deinen Beitrag in präzise akademische Termini gefasst, und selbstverständlich ist die Suche nach der Ursache für bestimmtes Verhalten eine Grundvoraussetzung für vieles, sodass auch der Verweis auf konzeptuelles Denken seine Existenzberechtigung hat.

Im Grunde ging es im OP doch um ein bestehendes Konzept, das, ohne im Spiel erprobt worden zu sein, Unmut errregte. Was letztlich im Spiel daraus wird, stand eigentlich noch gar nicht so sehr zur Debatte, weshalb ich denke, dass das Niveau an dieser Stelle eben noch keine Rolle spielt, sondern einfach das Verständnis, dass wir in der Session 0 Charaktere erstellen, die Grundlegend über eine Basis verfügen, welche sie rein theoretisch in das Spiel integrieren ließe (was ich mit Laufenlernen meinte)und wie das funktionieren kann, wenn das Konzept dies auf den ersten Blick nicht so offensichtlich hergibt und wie wir in so einem Fall zu einem Kompromiss kommen können, mit dem alle zufrieden sein können. Ob und wie es dann in der Praxis funktioniert, das ist wieder was anderes, da könnte man über verschiedene Ligen sprechen.

Vielleicht liege ich auch falsch, aber mein Eindruck ist, dass wir uns von der ursprünglichen Frage wegbewegt haben.

P.s.: ich kann die Kritik bezüglich der Leistungsorientierung an @Bumbrazz aktuell nicht nachvollziehen.

Ich habe große Probleme mit der Leistungs-Klassifizierung, die einige hier in den Raum stellen.

In meiner Erfahrung gibt es einfach ein sehr großes Spektrum an - völlig validen - Arten, Rollenspiel zu betreiben.
Einige reden nur noch IC, schneidern sich ihre Klamotte selbst und Larpen auch am Tisch, andere wollen ein paar Würfel werfen, Monster besiegen, Loot einsammeln, XP bekommen.
Die beiden Extreme gleichzeitig am Tisch zu haben macht meistens wenig Sinn, die einen als Champions-League des Rollenspiels zu bezeichnen und die anderen als Kreisklasse noch viel weniger.
Es gibt schlicht keine Hau-den-Lukas Stange wo die Lampe weiter oben aufleuchtet je fester man Rollenspielt.

Mir ist der Respekt vor den Mitspielenden wichtig, und dazu gehört natürlich auch, sich den Bedürfnissen (etwas) anzupassen - oder eben zu entscheiden, dass einem eine Spielrunde so nicht zusagt.
Dazu muss man natürlich auch erst mal wissen, wie der Hase läuft.

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Ich wollte dich nicht falsch verstehen, darum versuche ich noch einmal meinen Punkt zu schärfen. Vorweg möchte ich aber noch anmerken, dass es nicht meine Absicht ist irgendjemand zu kritisieren. Ich wollte lediglich zum Ausdruck bringen, dass ich die Perspektive von Bumbrazz interessant finde. So wie ich ihn verstanden habe möchte er nicht (mehr) mit allen zusammen spielen weil, aus seiner Sicht, Fehler gemacht werden die ihm den Spaß verhageln. Ich habe lediglich versucht daran anzuknüpfen und eine Analogie zu anderen Hobbys/Sportarten hergestellt. Du hast das dann für dich relativiert, was ja völlig in Ordnung ist. Worauf ich meinen Punkt noch einmal umformulieren wollte weil ich Arschloch, Troll und Egoist für zu drastisch gehalten habe um von da aus als Nulllinie zu argumentieren. Ich finde es nach wie vor spannend, dass an diesem Punkt die Meinungen so weit auseinandergehen, was aber nicht heißt, ich sage es nochmal, dass ich irgendjemand kritisieren möchte oder eine andere Meinung als Falsch darstellen möchte.

Ja, kann ich nachvollziehen, so kann man das auch sehen. Es gibt neben dem Niveau natürlich auch den eigenen Anspruch und wenn es da keine Differenz gibt, gibt es auch kein Problem. Für mich ergibt sich aber auch kein Wiederspruch. Es ist nichts verwerfliches daran, etwas ruhig angehen zu wollen. Wogegen ich mich aber verwehre ist zu sagen, ich würde jemanden den Respekt absprechen nur weil ich sage, dass jemand irgendetwas nicht so gut kann wie jemand anderes. Das ist nicht meine Meinung. Ich kann nur sagen, dass, für mich, ein Niveauunterschied schon sehr deutlich erkennbar ist zwischen verschiedenen Spielern, wobei die Gegenüberstellung von Championsleague und Kreisklasse natürlich wieder die beiden Extreme eines Spektrums sind das ich so nie aufgemacht habe. Das es allen beteiligten am meisten Spaß macht wenn der Anspruch in etwa derselbe ist, sehe ich genauso. Was aber den Versuch den Anspruch sprachlich zu qualifizieren untermauert. In etwa so wie wenn du den Sportverein wechselst und sagst, dass du vorher in der Landesliga gespielt hast und alle in etwa wissen auf welchem Niveau du dich befindest.

Ich denke, dass es eben viele verschiedene Maßstäbe gibt - die einen schätzen es besonders, einen raffinierten Build zu erstellen, andere finden es toll, im Kampf die Gegner mit Taktik zu überwältigen und wieder andere finden es am wichtigsten, niemals die dritte Person zu nutzen.
(Ein Lothar Matthäus braucht keine dritte Person, er kann sehr gut für sich alleine sprechen!)

Die Sachen schließen sich natürlich gegenseitig nicht aus, nur was das Beste ist, das kann eben ziemlich umstritten sein.

Wenn Matt Mercer und co tolle Kulissen auspacken, ihre Stimmen verstellen und sich emotionale Character-Arcs spontan stand-uppen, dann ist das für manche die Krone der Schöpfung, und andere fangen an zu mosern und bemängeln das fehlen von Karopapier.

Ich kann da meine eigene Meinung zu haben, finde es nur vermessen, die als Maßstab für gutes Rollenspiel anzusetzen.

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Ich würde auch sagen, das es kein objektiv “das beste” gibt.
Menschen sind subjektive Wesen, jeder von uns hat Gefühle und gerade Pen & Paper ist aufgrund seiner Spiels, das eben sowohl Gefühle beim Spieler, als auch der Figur auslösen kann, doch eben auch dadurch “befangen” könnte man sagen.

Das ist auch was in Session 0 wohl elementar und wichtig ist:
Was ist die Erwartungshaltung ALLER Spieler? und daran merkt man auch ob ein Konzept oder man selbst in die Gruppe passt.

Wenn jemand einfach nur dungeoncrawlen will, ohne jedes RP und einfach durch die Monster durchbuttert, ist das nicht falsch sondern eine legitime Spielweise. Wenn jemand ganz viel Rollenspiel machen will und es wenig Kämpfe gibt genau so. Wenn beide in der selben Gruppe auf einander zu gehen, kann das funktionieren. Es kann genau so gut scheitern.
Dann ist aber niemand "schlecht oder spielt “falsch”.
Man hat einfach aufgrund der eigenen Wünsche und Bedürfnisse in der Gruppe nicht zusammen gepasst.

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Aber worüber soll man denn dann in den Rpg-Foren noch diskutieren? :smiley:
Nee, ernsthaft: Ich denke auch, dass es nicht zielführend ist, von Leistung und Niveau zu sprechen, wenn einem die Spielweise oder der Charakter einer mitspielenden Person nicht gefällt. Ebensowenig, wie die Person als charakterschwach oder als Arschloch zu titulieren. Ich kann doch mögen, was ich mag, ohne dass alles andere schlecht sein muss.

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ich mag nur Spielweisen dann nicht, wenn sie eben “egoistisch” bzw. der Gruppe schadend bzw. den Mitspielernd schadend gegenüber sind.
Aber es gibt auch hier Gruppen in denen das vollkommen okay und legitim ist, in denen auch das kein Problem ist.
Es ist eben hier ganz stark eine Frage der Kommunikation.

uiuuiuuiui hier wurde viel geschrieben :smiley:

  1. Es gibt im Pen&Paper kein wirkliches Richtig und Falsch. Jeder wird im Laufe seiner Zeit im Hobby sein persönliches Richtig und Falsch kennenlernen, um dann hin und wieder neue Erkenntnisse zu haben oder sich persönlich weiterentwickeln und an seinem R&F etwas ändern.

  2. Für mich gibt es zwei große Lager im P&P:
    A: Ein Brettspiel mit Impro-Theater Aspekt
    B: Ein Impro-Theater Spiel mit Brettspiel Aspekt

  3. Die Session 0 dient dazu herauszufinden, wo man sich eher sieht, um von vornherein klar zu stellen, was man selber erwartet von sich und den anderen. Natürlich gibt es Grauschattierungen, wechselnde Lust und Laune etc. Aber wenn man sich zu einer Runde Vampire - Die Maskerade trifft, sollte man vorher besprechen, welche Erwartungshaltung man an das Spiel hat, wie man bis dato die Camarilla und deren Clans verstanden hat und was ggf. eigene schlechte Erfahrungen waren, bzw. welche Red Flags man hat. Des Weiteren kann man über entsprechende Konzepte sprechen, damit nicht 4 Leute den Nachteil Franzosenhasser haben und einer einen waschechten patriotischen Franzosen spielt! (habe ich im Vampire Live selbst so erlebt und konnte meinen Gesellschafts-Vampir in die Tonne treten, hier hätte ich btw von der SL ein Veto gewünscht, mit dem Blick, dass mein Franzosen-Konzept fast unmögliche politische Aufstiegschancen hat und ich das vorher wissen sollte)

Man kann in Session 0 keine 8 Stunden über Pen&Paper philosophieren und für einen Oneshot mit vorgefertigten Charakteren braucht man auch weniger Zeit, als wenn man plant eine längerfristige Gruppe und Kampagnenspiel aufzubauen.

  1. Leistungskonzept
    Ich habe so viele verschiedene Spieltypen im Laufe der Jahre kennengelernt. Jeder interpretiert in das Hobby andere Dinge rein, es gibt unterschiedliche Spielstile, Charaktermerkmale, die helfen oder auch nicht, in der Darstellung einer Figur, Ausleben des eigenen Hobbys, Zeitmanagement etc.

Wenn ich die Wahl hätte und könnte mit 4 Leuten P&P machen, die alle sehr gerne ihre Freizeit für das Hobby hergeben, die am Tisch auf einem unglaublich guten Niveau Impro-Theater machen und sich gerne mit ihrer Figur in die Spielwelt fallen lassen, zudem Lust haben den Spielspaß aller zu fördern, würde ich diese Menschen immer bevorzugen. Auf einem solchen Niveau macht es unglaublich viel Spaß.
Wenn ich dann in einer solchen Runde einen introvertierten Menschen oder Anfänger sitzen habe, die als Mensch nett sind, aber eben keine Bereicherung am Impro-Theater und weil das Hobby noch nicht entdeckt, in ihrer Zeit eingeschränkter sein möchten, nervt mich das. Ich denke es ist ein vergeudeter Platz in dieser Runde.

Es klingt richtig hart, aber so fühle ich nun mal. (Um mich jetzt nicht als Asi stehen zu lassen, will ich erwähnen, dass ich einerseits seit 2007 jede Woche Pen&Paper in einem Jugendzentrum für Teenager anbiete, aktuell Avatar Legends, eine reine Mädchengruppe, unter anderem mit meiner Tochter und andererseits biete ich wirklich häufig für Anfängergruppen Oneshots an, denn ich mag gerne den Leuten das Hobby näherbringen und zeigen.)

Nur kann ich mir das nicht aussuchen. Sondern es kommen verschiedene Menschen zu einer Runde und man muss ganz viele Kompromisse eingehen, da jeder seine ganz eigene, individuelle Historie mit dem Hobby hat. Gute, wie schlechte Erfahrungen. Jeder Mensch ein eigenes Leben führt, dass sich selten nur um P&P dreht. Jeder Mensch bringt halt nur so viel “Leistung” auf, wie er aufbringen kann und möchte. Es ist am Ende für die einen Leben 2.0, für die anderen ein Hobby und für die anderen nur ein Spiel.

  1. Vetos
    Meine von mir aufgezählten Beispiele waren basierend auf meinen schlechten Erfahrungen mit diesem Charaktertyp/Konzept. Ich will niemandem absprechen, das richtig geil darzustellen. Ich bin dann aber der Meinung, lass uns erst einmal als Gruppe kennenlernen, ein gewisses Vertrauen aufbauen, sodass man irgendwann zu den deutlich spezielleren Konzepten wechseln kann. Genau das ist für mich wieder der Punkt der Session 0. Ich will nicht sagen “Du kannst keinen Malkavianer spielen” sondern, lass mich dich kennenlernen, sodass ich Vertrauen in dich habe einen verdammt geilen Malk zu spielen, der unser aller Rollenspiel bereichern wird.
    Du stellst eine weniger fanatische Puritaner Sororitas-Schwester vor, die weniger Scheuklappen aufhat, als andere, lass uns darüber sprechen, in Session 0.

5.1. zu wenig Vetos durch SL
Es ist einfach schon viel zu oft vorgekommen, dass eine SL Konzepte abgenickt hat und sie sich als grauenhaft schlecht für die ganze Gruppe herausgestellt hat. Ich frug mich schon vom ersten, spätestens zweiten Treffen, wie dieser Char abgesegnet werden konnte? Ich bin sehr pragmatisch veranlagt was dieses Hobby betrifft, andere sind da wesentlich empathischer und versuchen immer wieder für Leute einen Platz in ihrer Runde zu finden. Eine gute Einstellung, die aber immer wieder zu schlechten Erfahrungen geführt hat. Besonders schwierig, wenn man in bestehende Runden einsteigen möchte, sollte vor allem dann mit allen Spielenden gesprochen werden. Auch über das potenziell neue Konzept.

  1. Konzepte als Idee vs. Praxis vs. Mensch
    Man denkt sich ein Konzept aus, findet es unsagbar cool und muss es aber erst Mal im Spiel kennenlernen. Bei diesem Kennenlernen, lernen dann auch alle anderen, SL wie Mitspielenden den Char kennen. Durch Feedback-Runden (siehe dazu anderen Thread) kann man dann nach und nach herausfinden, ob das Konzept funktioniert, wo man es verbessern sollte und wo es wirklich gar nicht passt.
    Dann ist jeder von uns einfach nur ein Mensch, selten ausgebildete Schauspieler:in und seine eigenen 4 Wände im Kopf, um sich ein Konzept auszudenken und versuchen es umzusetzen.

Ich denke jedem von uns ist es schon passiert, dass es auf dem Papier grandios war, man mit diebischer Vorfreude auf die ersten Spielabende gewartet hat, um dann selber eher in der Überforderung zu sein, weil man es irgendwie nicht hinbekommt, es keinen Spaß macht o.Ä.

Wenn aber ein Konzept von Beginn an, wenig gruppentauglich, als Einzelgänger oder mit destruktiven Absichten gebaut wurde, dann würde ich sagen, liegt es am Spieler, der das Konzept von Pen&Paper Rollenspielen an sich noch nicht verstanden hat oder nicht verstehen will!

Was ich aber verstehen kann, wenn jemand gerne experimentieren möchte und ein Konzept ausprobieren will, (Wie meine blinde Boron-Geweihte in DSA) dann muss man darüber als Gruppe sprechen, Pro&Contra abwägen und sich ggf. darauf einstellen, dass man das Konzept nicht spielen darf. Man kann sich überlegen, wenn das Konzept für die aktuelle Charakterkonstellation unpassend ist, ob man mal einen Oneshot startet, in der man das Konzept playtesten kann.

in meinem Kopf habe ich den Faden verloren und drücke nun auf antworten ^^

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Ein Feedback nach jeder Session finde ich persönlich wesentlich sinnvoller als eine Session 0, bei der von vornherein entschieden wird, dass ein Charakterkonzept ausgeschlossen wird, nur weil es einer Person nicht genehm ist.
So kann es einem Spieler erst einmal erlaubt sein, den Charakter zu spielen, den man ausprobieren möchte und hinterher so peu a peu anzupassen.

Wobei sich halt die Frage stellt, in wie weit der Spieler dann bereit ist, seine Figur zu ändern.
Bleiben wir ruhig mal beim SC-Beispiel aus meiner Wenigkeit Anfangsthreadpost: Tun wir einfach mal so, ich spiele nun diesen skrupellosen Journalisten, merke aber selber, dass ich da auf Widerstand stoße oder es mir selber keinen Spaß macht oder bei einer Feedbackrunde aufgezeigt worden ist, was an der Figur quer läuft, dann ändere ich die Figur, schraube an ein paar Schrauben, feile daran, dass er gruppenkonform weiterspielen kann oder - als Alternative - bastele mir einen neuen Charakter.

Ich persönlich - und das ist jetzt nur meine unmaßgebliche Meinung - finde es schade, wenn von vornherein festgelegt wird, wie ich einen Charakter zu basteln habe, mit dem die anderen Spieler einverstanden sind, während man selber sich damit arrangieren muss, weil er sich doch abhebt von dem, was man eigentlich sein will/spielen will.

Für mich selber sind Aussagen wie: "Dann passt die Gruppe nicht zusammen und der “aus der Reihe tanzende Spieler” muss sich dann eine suchen, die zu ihm passt, nicht sonderlich zielführend, weil es an so manchem Punkt scheitert, aus welchen Gründen auch immer, sei es der Faktor Zeit oder das System/Genre oder auch die Art, wie man spielt.

Für mich bedeutet Rollenspiel ja nicht nur, gemeinsam eine Geschichte zu erzählen, für mich bedeutet Rollenspiel auch, außer der Reihe mal eine Figur zu spielen, die mich reizt und mit dieser ich dann gemeinsam mit der Gruppe eine Geschichte stricken will.
Ich sehe Session 0 dann als antidemokratisch an, wenn ich erzähle, dass ich ganz gerne mal für das nächste Abenteuer oder wenigstens mal für den nächsten Spieltag eben eine solche Figur spielen will, und kaum sagt nur ein/eine Mitspieler/Mitspielerin, dass er das nicht will, auch wenn die anderen damit einverstanden sind, dass ich dann das Konzept zu verwerfen habe.
Ausnahme ist wirklich, wenn es ein Charakter ist, der ein Spielen unmöglich macht, wie das von Ihnen, Basti, beschriebene Szenario in Vampir.
Aber da erwarte ich eine vernünftige, nachvollziehbare Erklärung, warum dann dieses Charakterkonzept suboptimal ist. Ein “Nö, ich will nicht, dass du diese Figur spielst und damit Punkt” empfinde ich eben als Gängelei, als Willkür.

Es bedarf meiner Meinung beides: Session 0 + Feedback nach jeder Runde, um gemeinsam zu einer Gruppe zusammenzuwachsen.

Aber ich bin ganz deiner Meinung, dass ein unkommentiertes Veto so nicht stehen gelassen werden kann. Man muss mMn. schon ein paar Gründe aufzählen warum, damit man als Gruppe gemeinschaftlich diskutieren kann.

Einfach nur “nö, will ich nicht” würde mir auch nicht reichen. Es wäre für mich schon ein Mensch, den ich nun sehr kritisch betrachten würde.

Ich würde mich auch über die anderen wundern, wenn sie ohne Argumentation ein “Nö/Veto” stehen lassen würden.
Ich denke das wären dann keine Menschen, auf die ich Lust hätte. Wie sieht es denn in der nächsten Situation aus, in der man diskutieren sollte und der danach? Wird jedes Mal der Weg des geringsten Widerstands gewählt?

Wie immer hängt Kommunikation von vielen Faktoren hab. Wie trotzig ist jemand und/oder schnell eingeschnappt, weil er oder sie ihren Willen nicht bekommt? Das wäre mir auch zu anstrengend.

Ich weiß ja nicht … wenn ich nicht gerne Leber esse, dann werde ich kein Gericht mit diesem Bestandteil essen. Und manche Sachen muss man auch nicht probiert haben, um zu wissen, dass man darauf verzichten möchte. Wenn eine Person ihre Gründe hat, warum sie ein bestimmtes Charakterkonzept als unangenehm empfindet und es, wie Bumbrazz so schön anführte, auch erklären kann - wobei selbst das manchmal nicht im Detail erfolgen muss, wir wollen ja schließlich jemanden im ärgsten Fall nicht retraumatisieren - dann kommt es meiner Meinung nach eben nicht in Frage, es einfach auf gut Glück auszuprobieren. Welche Möglichkeiten ich da sehe, schrieb ich ja recht früh im Thread.

Stichwort “retraumatisieren”
Da bin ich ganz bei dir, dass man da ein feines Näschen für haben muss. Gleichzeitig muss eine traumatisierte Person mit klaren Red Flags von Beginn an, mit der Gruppe kommunizieren, denn man kann eben solche Dinge nicht an der Nasespitze ablesen. Es ist also ein Geben und Nehmen. Wie wird was wann gesagt.
Hier wäre man aber auch in der Erklärungspflicht, wenn man beispielsweise nicht über Red Flags vernünftig aufgeklärt wurde oder die anderen einem über das Trauma des einen Bescheid gegeben hat, dass ein solches Konzept nicht zugelassen ist, etc. Ich würde für mich auch gerne eine Ablehnung immer mit guten Argumenten hören wollen.

Im Fall OP ist es ja so, dass zunächst alle dafür sind und nur eine Person dagegen. Hier hätte man dann eine Diskussions-Runde starten müssen, welche Nö-Argumente denn vorliegen und warum man sich das Konzept nicht vorstellen kann. Dann hätte man über Pro und Contra gesprochen, um dann am Ende eine Lösung zu finden.

Könnten wir nicht allmählich zu so einer Art abschließender Zusammenfassung gelangen? Sowas wie:

  • wir respektieren die Grenzen anderer bei der Wahl unserer Charakterkonzepte
  • eine Session 0 ist sinnvoll, um diese Grenzen kennen zu lernen und als Gruppe Charaktere zu erstellen, die miteinander und in dem Setting funktionieren
  • ein Veto sollte auch begründet sein müssen, ebenso wie die Wahl eines Konzeptes

Das sollten doch eigentlich gute Richtlinien sein. Ich meine, das Ganze hier wurde mit einem überspitzten, hypothetischen Beispiel begonnen, zumal nicht alle Informationen von Beginn an zur Verfügung standen (Bsp.: “Ich bin sonst derjenige, welcher in den sauren Apfel beißen muss”), sodass es nicht wenig verwunderlich - wenn auch nicht gerechtfertigt - war, dass schnell eine emotional geladene Antwort erfolgte, da sich der OP damit wenig sympathisch/empathisch und nachvollziehbar darstellte. Ähnliche Fälle sind sowieso viel zu individuell und müssten einzeln betrachtet werden, eine allgemeingültige Faustregel kann nur jeder für sich selbst finden, wenn er mag.

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Nicht böse sein, dass ich dieses Thema noch einmal kurz belebe, aber ich möchte einen Punkt zu Franz` “Leistungsklasse” gerne noch loswerden.
Ich kann sein Argument durchaus verstehen, weil ich es in der jüngsten Zeit zweimal erlebt habe (Onlinebrettspiel allerdings, nicht Rollenspiel), dass an zwei verschiedenen Tagen zwei Brettspieler die Runde verlassen haben, weil sie der Meinung waren, ihre Spielpartner hätten nicht die Klasse und Stärke wie man selber, und mit solchen Spielern wollen sie nicht ihre Zeit verplempern.

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Immer erst die ELO checken :nerd_face:

Ich finde es gut wenn eine Diskussion am laufen gehalten wird, ich habe nicht das starke Bedürfnis einen Konsens zu finden. Ich finde bei so Geschichten macht der Ton die Musik.

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@Franz: Ehrlich gesagt ist mir nicht klar, in wie weit ich einen disharmonischen Ton angeschlagen habe. Sollte dies der Fall gewesen sein, bitte ich natürlich um Entschuldigung - das war nicht mein Bestreben.

@funny: In diesem Fall gibt es keine ELO; es ist ja kein Schachspiel gewesen :slight_smile:

Oh entschuldige, ich habe Sie nicht gemeint, sondern die beiden die gesagt haben, dass sie nicht mit Anfängern spielen wollen, inetwa so wie Bastie weiter oben geschrieben hat, man kann sowas arschig sagen oder aber ernsthaft.

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