AW: Spiral Down - Autobiographie von Gabriel “Wayne” McNamara
- WILL O’CONAHEY
´50 war ein merkwürdiges Jahr. Ich war in der letzten Klasse der Pflichtschule, die letzten Prüfungen waren bereits geschrieben und ich hatte trotz meiner Behinderung ein beachtliches schwarzes Büchlein. Ich rauchte gerade eine am Hof, als es einen Knall gab und ein Stück der Schulwand im Hof lag. Zwischen dem Staub und den Trümmern sah ich einen Schüler der Parallelklasse. Er leuchtete regelrecht. Plötzlich zischte ein Schatten durch den Staub und traf den Jungen, den ich als William kannte, am Kopf. Als er in die Knie ging sah ich einige Gestalten um ihn herum, vermutlich Jugendliche aus der gleichen Klasse.
Ich schaltete wie üblich schnell. Scheinbar war Will gemobbt worden, und die Vermutung lag nahe, dass dies gerade zu seinem Erwachen geführt hatte - soweit kannte ich mich mit Magie schon aus. Doch jetzt schien das ganze aus dem Ruder zu laufen, denn die Mordlust und der Zorn der anderen Jugendlichen war über den ganzen Hof zu spüren. Sie wollten sein Blut.
Wenn andere sich prügelten, war mir das normalerweise egal, aber das hier würde nicht gut enden. Ich hatte an dieser Schule wohl nichts mehr zu verlieren, also zog ich meinen Revolver, den ich immer versteckt bei mir hatte, und schoss einmal in die Luft. Während alle vor Schreck erstarrt waren – sogar der Mob – hastete ich über den Hof, rempelte mit meiner Prothese einen der Jugendlichen zur Seite und stand im nächsten Moment über Will, den Revolver auf einen kleinwüchsigen Jungen gerichtet, der sich als Anführer aufspielte.
„Verschwinde, das hier ist unser Problem!“ kreischte der Kleinwüchsige, der scheinbar noch nicht durch den Stimmbruch durch war.
„Sorry, aber dieses feige ‚Viele-Gegen-Einen’ gefällt mir nicht besonders.“, antwortete ich gespielt lässig, während mein Herz aus meiner Brust springen wollte. Ich glaubte nicht mehr, dass ich die nächsten Minuten überleben würde. Trotzdem gab ich mich tapfer und sagte: „Also werden Will und ich jetzt von hier verschwinden, und Ihr bleibt einfach wo Ihr seit. Schönen Tag noch!“
Mit diesen Worten ging ich langsam rückwärts aus der Gruppe hinaus, und Will kroch mir auf allen Vieren nach. Als wir einige Meter zwischen die Jugendlichen und uns gebracht hatten und Will sich aufgerappelt hatte, fingen wir an, zu laufen.
„Das überlebt ihr nicht!“ kreischte uns eine sich überschlagende Stimme nach.
Außer Atem versteckten wir uns einige Gassen weiter. „Das werden die Büßen!“, keuchte Will neben mir.
„Die müssen auf jemandem rumhacken, sonst merken sie, wie erbärmlich ihr Leben ist.“, versuchte ich Will zu beruhigen, doch meine Worte schienen ihn nicht zu erreichen. Nach einigen Minuten richtete sich Will auf und wollte die Gasse verlassen.
„Wo willst du jetzt hin?“ rief ich ihm nach.
„Ich hab wohl neue Talente, die wollen geschult werden.“, antwortete Will, ohne sich umzudrehen. „Du wirst noch von mir hören. Und DIE auch.“ Er zeigte in Richtung der Schule. In diesem Moment begriff ich, was echter Hass ist.