Wanderhome Erfahrungen

Heute habe ich zum ersten Mal Wanderhome gespielt. Ähnlich wie bei Mausritter steckt in dem Spiel mehr als der erste Blick verrät. Beide erscheinen zunächst in ihrer Aufmachung auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. Aber wo Mausritter unerwartet tödlich sein kann und deshalb einer gewissen Großzügigkeit in der Regelanwendung bedarf, wenn man es mit Kindern spielen möchte, konfrontiert Wanderhome von Anfang an mit einer psychologischen Tiefe, die es noch viel weniger für Kinder geeignet macht. Aber von vorne ..

Ich habe Apfelkuchen gebacken (Man kann Wanderhome ohne Apfelkuchen spielen, aber mit ist besser!) und wir haben auf einer Wiese an einem Bach gesessen. Es war ein warmer Septembernachmittag. Aber das war’s dann auch schon fast mit der Idylle. Bei der Charaktererstellung entscheidet man sich zunächst für ein “playbook” - ähnlich einer Charakterklasse - und ein Tier, das man darstellen möchte. Dann sind aus einer Liste von Eigenschaften einige auszuwählen, die der Charakter hat, aber auch Eigenschaften, die er*sie glaubt, haben zu müssen oder, die er*sie befürchtet, in Wirklichkeit gar nicht zu haben. Nun kann man ganz bewusst eine Figur erstellen, die möglichst wenig mit einem selbst gemeinsam hat. Aber wie wir alle wissen, stecken in jedem Rollenspielcharakter immer Anteile der eigenen Persönlichkeit und sei es durch die Verkehrung in’s Gegenteil. Bei Wanderhome-Charakteren geht es um das Finden von Identität, um Selbst- und Fremdwarnehmung, um Verlust, Veränderung und die Sehnsucht, irgendwann irgendwo anzukommen. Ob man will oder nicht, ragen diese Fragen irgendwie auch ein Stück in’s eigene Leben hinein. Und bei aller Niedlichkeit hat das Spiel dadurch auch eine Schwere, die wir nach zwei Stunden Beschäftigung mit unseren Charakteren und dem ersten Reiseziel deutlich gespürt haben.

Ausgeglichen wird dieser Umstand u.a. dadurch, dass in der Spielwelt keine Gewalt (mehr) existiert und alle Charaktere sich durch eine je eigene Art der Fürsorge auszeichnen. Das Spiel wird auch dadurch vorangetrieben, anderen Figuren in der Welt Hilfe anzubieten und füreinander da zu sein. Hier braucht es eigentlich keine “lines and veils” oder x-cards, denn Wanderhome ist selbst ein einziges großes safety tool. Mit den richtigen Menschen, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort sind deshalb wahrscheinlich intensive und sehr persönliche Spielerlebnisse möglich.

Mich interessiert, welche Erfahrungen ihr bisher mit Wanderhome gemacht habt und auf welche Art ihr es spielt bzw. gespielt habt.

Nicht schlecht! Ich find´s sehr aufschlussreich, was du da schreibst. Es hat bei mir auch Interesse geweckt.

Wenn ich die Chance habe, werde ich´s wohl mal ausprobieren. Gibt´s einen Spielleiter oder funktioniert es ohne?

Beides ist möglich. Wir haben aber ohne Spielleitung gespielt.