Warum retten wir im P&P lieber Prinzessinnen als die Galaxis? 🚀

Hallo zusammen,

in meiner Erfahrung werden im Pen&Paper deutlich häufiger Fantasy- und Horror-Settings gespielt als Science-Fiction.

Dabei fällt mir auf, dass Sci-Fi meistens nur in Form von Space Opera (z.B. Star Wars) oder Cyberpunk (z.B. Shadowrun) stattfindet. Andere Richtungen wie Hard Sci-Fi, Exploration oder klassische Deep-Space-Abenteuer scheinen es deutlich schwerer zu haben. :satellite:

Ich habe vor Kurzem selbst ein Hard Sci-Fi Setting entwickelt, um der Sache auf den Grund zu gehen und zu sehen, ob und wo die TĂĽcken im Worldbuilding liegen.

Jetzt frage ich mich:

  • Ist die EinstiegshĂĽrde bei Sci-Fi einfach höher (Angst vor “Technobabble” oder Physik-Diskussionen)?
  • Was fehlt euch bei Sci-Fi, das Fantasy so “griffig” und einfach macht?
  • Oder spielt ihr es eigentlich gerne, findet aber einfach keine passenden Runden?

In welcher Sci-Fi-Ecke fĂĽhlt ihr euch am wohlsten?
(Space Opera, dĂĽstere Zukunft oder eher realistische Exploration?)

Mich würde interessieren, ob das nur mein persönlicher Eindruck ist oder ob ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt.

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Ein wirklich gutes Thema. :grin:

Ich denke Fantasy ist für die meisten Leute nahbarer als Sci-Fi. Natürlich gibt es auch Sci-Fi Pen and Paper die richtig gut sind aber ich persönlich denke es liegt eher daran das wir als Menschen grundsätzlich gerne fantasieren und wenn wir das tun sind in unseren Köpfen meißtens eher Drachen,Götter,Kulte und mehr die nahbarer sind, da wir sie aus der Vergangenheit kennen und viele Geschichten Mythologien haben die bekannter sind als Sci-Fi Storys die eher die Zukunft statt die Vergangenheit behandeln.

Es ist auch grundsätzlich schwerer zu verstehen, und manche Menschen schreckt das auch ab aufgrund von versierter Technik und hochkomplizierter Technologien so wie auch wörter die schwerer vorstellbar sind kann allein das schon abschreckend sein.

Man stellt sich meißt in Sci-Fi denn Gedanken : ja das Ding Hacke ich und denn Rest verstehe ich kaum oder zu welcher Anlage soll ich gehen um Z3000 MK4 eine hochempfindliches Gerät für Raumfahrt zu sabotieren.

Solche Sachen finden nicht oft Anklang zum Teil auch weil die meisten klassisches gewohnt sind Barbar Haut mit der Axt drauf ist einfach simpler also in kurz ich denke es liegt daran dass das nicht fĂĽr jeden als leicht erscheint.

Ist zumindest meine Meinung. :saluting_face:

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Die Prämisse, dass wir in Pen-&-Paper-RPGs viel lieber Prinzessinnen retten als die Galaxis, trifft im Kern bestimmt zu aber nicht so drastisch. High Fantasy macht etwa 60 bis 70 Prozent der Kampagnen aus, weil es nahbarer, mythischer und leichter zu handhaben ist: Schwerter, Drachen und Dörfer fühlen sich vertrauter an als Raumschiffe, Physikregeln und Aliens. Horror(würde ich eher zu scfi rechnen als zu highfantasy) und Sci-Fi zusammen erreichen 20 bis 40 Prozent und sind echte Gegenpole – Call of Cthulhu liegt global oft auf Platz 2. Es gibt also keine totale Dominanz, sondern eine klare Präferenz.

Wenn man D&D ausblendet, bleibt High Fantasy (Pathfinder, DSA) weiterhin führend, aber Sci-Fi und Horror holen stark auf. D&D selbst profitiert vor allem davon, dass es der Markenkern von Pen & Paper ist und nicht wegen des Settings. Ahnlich wie Warhammer 40k im Tabletop-Markt die klare Umsatz-Übermacht hat, obwohl Age of Sigmar die reine High-Fantasy-Variante ist. (ohne DnD wäre somit auch der Platz 1 unter den Rollenspielen kein High Fantasy mehr).

Ein entscheidender Grund für diese Vorliebe ist Der Herr der Ringe. Tolkien hat gezeigt, wie epische Weltrettung klein und menschlich beginnen kann: ein Hobbit aus einem ruhigen Auenland statt ein auserwählter Weltraumheld. Genau dieses Muster prägt D&D, Pathfinder und DSA bis heute – ohne LotR gäbe es die klassische „Prinzessin retten“-Quest als Standard wahrscheinlich gar nicht.

LotR meistert vor allem Immersion. Die Schwelle zur Selbstidentifikation ist extrem niedrig, und genau darin liegt ein großer Teil seiner Magie. Frodo und Sam sind normale Leute: ängstlich, loyal, überfordert, fehlbar. Aragorn und Boromir zweifeln, machen Fehler, scheitern auf sehr menschliche Weise. Star-Wars-Figuren wie Luke als Auserwählter, Leia als Prinzessin oder Han als cooler Schmuggler sind archetypisch und beeindruckend, aber sie bleiben distanzierter. Man bewundert sie eher, als dass man sich wirklich in ihnen wiederfindet. Auch soetwas wie Game of Thrones oder Harry Potter zahlen auf das Konto von High Fantasy ein.

Auch auf anderen Sektoren ist Highfantasy zwar eine Größe aber keine alles überstrahlende Übermacht. Soweit ich weiß ist Pokemon Marktführer bei TCG´s und nicht Magic. Wahrscheinlich weil auch hier eine Imersion leicht fällt, ein Pokemontrainer der klein anfängt und nach und nach stärkere Pokemon sammelt.

Gäbe es eine epische Erzählung im Weltraum mit der Wirkmacht von LotR würde sich das Bild bestimmt schnell wandeln.

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Interessant, so hab ich das noch gar nicht betrachtet, aber ich denke auch das ohne DnD die Statistik anders aussehen wĂĽrde.

Aber man sieht hier ja auch sehr wenige andere Fantasy Regelwerke die Angeboten werden, denke das ist etwa gleich wenig wie Sci-Fi. Dabei find ich W40k ein unglaublich geiles Universum und mit Imperium Maledictum gibts auch ein recht einfaches Regelwerk dazu.
Shadowrun ist auch eine sehr coole Lore, aber die Regeln erschlagen einen erstmal. Starwars hatte ich bisher nur einen OneShot, war systemtechnisch ganz cool aber nicht meine Welt.

Persönlich würde ich jetzt nicht sagen, dass ich mich mit Fantasy Personen eher identifizieren kann als mit welchen aus Sci-Fi Welten.
Allgemein wĂĽrd ich aber auch behaupten es gibt mehr Fantasy Content als Sci-Fi, auch wenn ich so an die TV Zeit meiner Kindheit und Jugend zurĂĽckdenke.

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Menschen erzählen sich seit vielleicht 200 Jahren Geschichten über Raumschiffe, schiefgelaufene Experimente und wundersame wissenschaftliche Entwicklungen. Geschichten über dunkle Wälder, die darin hausenden Monster, Helden, Könige und Götter dagegen schon seit es Sprache gibt (oder früher). Sprich: Die Elemente, derer sich Fantasy bedient, haben einfach ein paar zehn- bis hunderttausend Jahre Vorsprung, um uns zu prägen und zu faszinieren. Das geht sogar so weit, dass emotionale Reaktionen auf bestimmte Themen uns schon genetisch “mitgegeben” werden (es gibt Phobien vor Schlangen und Spinnen, aber nicht vor Autos, obwohl letztere weit tödlicher für Menschen sind). Und zumindest ich habe durch Grimms Märchen, Disneys Robin Hood und die Bibel typische Fantasy-Themen schon lange vor meiner ersten Folge “Raumschiff Enterprise” kennengelernt.

Mein Punkt: Fantasy hat etwas Urtümliches, etwas Heimeliges und intuitiv Verstehbares. Vielleicht umso mehr, wenn man mit Bezug zu Natur und erlebbarer Geschichte (Burgen, Landleben, etc.) aufgewachsen ist. Und da Rollenspiel ein Medium ist, das man nicht passiv konsumiert, sondern aktiv gestaltet, ist dieses intuitive Verständnis, wie die Welt und ihre Bewohner funktionieren, sehr hilfreich.

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Ich kann mir vorstellen, dass einer der Gründe der ist, dass man den Kindern Märchen vorgelesen hat, die “in der realen Welt” spielen, sprich auf unserer Erde. Man trifft dort sowohl auf Menschen als auch auf Hexen und Zauberer, auf mystische Wesen (Feen, sprechende Tiere, Riesen) und irgendwo auch auf Magie.
Als Kinder spielt man zum Beispiel Cowboy und Indianer, Räuber und Gendarm oder manchmal eben auch Ritter und Prinzessin.
Ich kann mir vorstellen, dass dies schon ein wenig prägt - und eben weiterhin auch auf der Erde spielt.
Klar, manche Kiddies spielen auch Raumfahrer oder basteln sich aus Lego Star Wars Modelle.

Wenn ich mich dunkel daran erinnere, habe ich als Kind nur ein Buch gelesen, welches indirekt im Weltall spielt, und das war Peterchens Mondfahrt.
Von daher kann ich mir vorstellen dass eben die Fantasy sich eher in unseren Köpfen einistet als es SCience Fiction macht.
Aber das ist halt alles nur eine Vermutung.

Das Punkt sind fĂĽr mich oft die Regeln der Systeme.
Ich liebe ShadowRun von der Lore, es ist mega cool und richtig spannend.
Genau wie Warhammer 40k ein sehr interessantes und gesellschaftskritisches Universum ist, das ich auch schon seit Jahren verfolge.
Starfinder mag ich auch oder Star Trek.
Ich liebe Sci-fi letztlich aber der Punkt sind oft die Regeln.

Wenn ich wie bei ShadowRun irgendeine Wurzel für eine Berechnung ziehen muss, hört der Spielspaß schon auf.
Bei ShadowRun ist der Einstieg aufgrund der Komplexität schwierig und die nimmt nur leicht ab.
Man würfelt dölfhundert Würfel und es wirkt erstmal chaotisch.
Warhammer 40k Systeme habe bisher nicht gespielt aber es gibt mehrere Regelwerke.
Die decken unterschiedliche Möglichkeiten ab. Rogue Trader, Death Watch, Death & Glory usw.
Da ist eben die Frage welche Immersion man spielen will?
Wenn es halbwegs wie in dem Computerspiel zum Pen & Paper funktioniert, ist es denke ich okay spielbar. Also Rogue Trader hat ja sein eigenes Spiel.
Starfinder E1 ist der Hybird aus Pathfinder E1 und E2 und das gefällt mir nur eher mäßig.
Die zwei verschiednen Lebenspunkte und Rüstungsklassen sind zwar von der Logik/Immersion eine nette Idee aber das ist einfach eine unnötige verkomplizierung wie Waffen bzw. Angriffswürfe funktionieren.
Auch haben sie die Magie da relativ runter gestuft, was ich gar nicht so mag.

Letztlich finde ich meistens die Regeln nicht sehr brauchbar in dem, was ich bisher spielte.
Dabei finde ich die Universen dahinter in der Regel groĂźartig.

Auf die allgemein gesehen:
Es gibt deutlich mehr Fantasy Games, Romane, generell Medien und es ist vermutlich einfacher sich aufgrund dessen Immersiv vorzustellen einfach irgendwo jemanden zu retten wie einen Prinz oder eine Prinzessin.
Das ist simpel und leicht im Kopfkino darzustellen.
Anders ist es, wenn man in Star Trek eine diplomatische Mission durchfĂĽhrt und erstmal ein Trekie dafĂĽr sein muss und dann die romulanische Kultur bedenken muss
Wie verhält man sich gegenüber Klingonen? Welche politischen Intrigen oder Situationen sind da?
Ich fände sowas sehr interessant aber letztlich ist es vermutlich für den durchschnittlichen Anfänger, der vllt noch nie was mit Star Trek am Hut hatte, sich sehr schwer diese Welt dann vorzustellen.
Der Weltraum, verschiedene Welten und Wesenheiten die man bisweilen eben auch öfters diplomatischer antreffen kann als es vielleicht in einer Fantasy-Welt der Fall wäre.
Das wäre zumindest meine persönliche Hypothese dazu.

In meiner Kindheit und Jugend war es gefühlt anders herum. Da stand im Elternhaus ein ganzes Regal mit Si-Fi Dune, Ender’s Game oder Alan Dean Foster und Asimov. Dazwischen mal auch ein Fantasy Roman und Tolkien.

Beim Rollenspiel hab ich vielleicht deshalb auch mit Shadowrun angefangen (und musste da auch nie viel rechnen - statt zu rechnen hat man seinen Sack mit w6: nimmt Anzahl Attribut raus, Anzahl Fertigkeit, vielleicht noch Boni Würfel wegen Cyberware, Ausrüstung oder Vorteil und dann legt dann eventuell wieder welche weg, wegen blöden Umständen, würfelt die Würfel und zählt 5 sowie 6er…)

In Film und Fernsehen hat man bei Si-Fi das Problem, dass sich trotz weiter Welten und Kulturen alle verhalten wie US-Amerikaner. Egal ob Star Trek, Star Wars oder Avatar… das macht die Geschichten dann doch alle ähnlich.

Und kommt bei SL und Geschichten im Weltraum irgendwie nicht so viel dabei raus, zumindest was ich so erlebt habe. In Star Wars fliegt man halt nicht ins Casino sondern zum Casino Planten nicht in die Antarktis oder auf den Eisplanten oder nicht in die Karibik sondern ins Piraten Sonnensystem. Aber sonst ändert sich eigentlich nichts.

Wobei ich in meiner Star Wars Runde sehr, sehr viele Spaß hatte. Aber eigentlich vom Storytelling und das cool war, es eigentlich egal gewesen wäre mit wir mit der Pferdkutsche oder dem Raumschiff unterwegs waren.

Für mich persönlich vertragen sich Stufensysteme und Si-Fi nicht wirklich. Das Personen da so significant einfach linear immer besser werden. Das ist dann doch näher an der Realität, dass ich persönlich wahrscheinlich wenig Freude an Star Finder hätte. Zumal es auch andere Systeme gibt.

Also wenn du Stargate gesagt hättest, hätte iches vllt verstanden oder Star Wars.
Die sind ja auch zumindest auf der Leinwand bzw. in Filmen und Serien oft eher nicht so komplex.
(AuĂźer Andor glaube ich?)

Aber Star Trek finde ich hat jetzt wenig gemeinsam mit dem Verhalten von US-Amerikanern.
Gerade weil es so viel Wert, auf gesellschaftliche Kritik und auseinandersetzung hat und sehr viele Dinge durch Gespräche/Verhandlungen oder eben differenzierte Weltbilder gelöst werden.

Gerade die Folge mit den Borg und ihrer differenzierung in TNG wĂĽrde ich ĂĽberhaupt nicht so sehen.
Man kann sicherlich kritisieren an Star Terk das es so viele menschen-ähnliche Völker gibt bzw. fastnur zweibeiner Humanoiden und der kuriosen Folge, die das “erklärt”.
Aber das Star Trek stark der US-Amerikanischen Verhaltensweise entspricht, verfehlt wirklich worum es da geht.
Viele Folgen handeln auch von persönlicher Weiterentwicklung, Traumata und generell dem alltäglichen Aspekten der Crew.
Also Star Terk war auch schon immer progressiv.
Das mit Star Wars zu vergleichen ist wirklich nicht sinnvoll.

Das ist ja auch das Ding, weswegen man es nicht so leicht mit Leuten Pen & Paper spielen kann, weils eben kein ”Wir fliegen irgendwo hin und ballern sinnlos herum” ist.

Tatsächlich hatten wir erst vor Kurzem in einer meiner Runden eine ähnliche Diskussion.

Da ich selbst großer SciFi-Fan bin, bin ich (bisher) zu folgendem Erklärungsmuster gekommen:

  1. Suspension of Disbelief
    SciFi ist uns viel näher als Fantasy. Die klassischen Themen von SciFi sehen wir unserem Alltag: tragbare Minicomputer, die uns mit jedem Menschen vernetzen; AI (bzw. LLM, die für die meisten nahe genug kommen) erledigen Dinge für uns; Technik wird ständig missbraucht (für Abzocke, Manipulation, Überwachung).
    D.h. unser Alltagserleben ist von “SciFi”-Technik durchdrungen. Das macht es in der Folge viel schwieriger die Hürde des Suspension of Disbelief zu überwinden, weil die Plausibilität schnell aus den Fugen gerät.
    Ein banales Beispiel aus dem RPG-Alltag: Wir wĂĽrfeln ohne zu hinterfragen eine Szene lang eine Verfolgungsjagd zwischen einem geflĂĽgelten Feuersalamander und einem Magitechpferd aus.
    Eine Verfolgungsjagd zwischen einem Müllauto und einem Motorrad würden wir nie akzeptieren - die Plausibilitäten sind für uns so gefestigt, dass wir diese Szene als unglaubwürdig einstufen.

  2. Klischees sind einfacher aufrechtzuerhalten und zu bedienen, wo die Komplexität der Welt niedrig gehalten ist.
    In einem SciFi-Setting (das uns relativ nahe ist), denken wir (beinahe zwangsläufig) über Fragen des Wohnens, des Essens, der Körperhygiene nach, weil dies in einer modernen Gesellschaft zum Alltag dazugehört und wir es täglich erfahren.
    In einem Fantasy-Setting stapfen die Held:innen direkt aus dem Dungeon in den Thronsaal des Königs und lassen sich feiern.
    Eine von beiden Welten ist so weit von uns weg, dass wir uns mit den Nebensächlichkeiten des Abenteuers gedanklich i.d.R. gar nicht wirklich befassen.
    Dies fĂĽhrt im Grunde zurĂĽck zu 1., auch wenn es eine andere Dimension beschreibt als o.g.

Spannende These und wirklich clever um die Ecke gedacht.

Ich glaube, da ist etwas dran, dieses Beispiel der Verfolgungsjagd ist schlagkräftig, aber ich kenne kein System, in dem verschiedenen Fortbewegungsarten nicht auch in irgendeiner Weise eine Geschwindigkeit zugeordnet ist und niemand würde ein Rennen zwischen einem Ochsen und einem Rennpferd (equivalent zu Müllauto und Motorrad) zugunsten des Ochsen ausgehen lassen.

Tatsächlich bezweifle ich auch, dass uns SciFi so viel näher ist (obwohl das eine wirklich spannende Wende in der Diskussion ist und schon alleine durch die Originalität punktet). Ein Shadowrunner oder Weltraumpilot ist uns vielleicht mit seiner modernen Lebensweise näher, vielleicht aber auch nicht. Aus dem Bauch heraus würde ich unsere Lebensrealität genau zwischen beiden Welten verorten, weil die soziale Interaktion in High Fantasy unserem Leben doch schon näher kommt (eine heile Welt, eine Tragödie und eine Handvoll mutiger Helden die Versuchen das Unglück abzuwenden.) Ein Krimineller in einer kriminellen Welt oder einem Glücksritter millionen Lichtjahre von zuhause entfernt ist natürlich nicht unvorstellbar aber widerspricht der Spielerneigung der Goodguy in der Geschichte zu sein.

Das Thronsaal-Beispiel ist auch nicht schlecht, aber würdest du in einer modernen Welt eine Heldentat vollbringen, die die Aufmerksamkeit aller Mächtigen auf dich zieht, würde auch niemand dich nach deinem Äußeren bewerten. Aber ja, in einem Hightech Setting würde man Alltägliches kritischer betrachten.

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Das stimmt imho so nicht (ganz).
Es gibt etliche Systeme, die das durchaus grundsätzlich ermöglichen und das sind z.T. sogar Systeme, die explizite Regeln dafür haben (Skillwurf des (N)SC kann Bonus- oder Malusbewegung geben etc.).

Der Ausgang eines solchen Rennens hängt ja auch stark davon, wo genau er stattfindet.
Während der Ochse vielleicht stark genug ist, sich durch dichteres Unterholz einfach zu pflügen, kann das Rennpferd dabei einfach versagen.
Viele TTRPG Systeme erlauben so etwas (mindestens narrativ) mit einzubeziehen oder setzen sogar darauf, dass sie von den Spieler:innen aktiv gemacht oder zumindest vorgeschlagen wird.
Das kann oft auch den Reiz ausmachen.

Im Grunde bestätigst du meine These: Der Ausgang dieses hypothetischen Rennens scheint uns so absurd, weil wir eine recht konkrete (wenn auch ungefähre) Vorstellung haben.
Je mehr Details dabei ungeklärt bleiben, desto eindeutiger fällt es aus.

Um in diesem Beispiel zu bleiben:

Version 1:
SL erklärt: “SC auf Ochse und NSC auf Pferd treten zu einem Rennen an.”
=> Ohne weitere benannte Details, denken die meisten von uns wahrscheinlich an zwei Reiter:innen auf einer Wiese oder einem Weg.

Version 2:
SL erklärt: “Ein NSC auf einem gewaltigen Ochsen, der nur aus Muskelpaketen zu bestehen scheint und dessen Schulterhöhe einem ausgewachsenen Menschen bei Weitem überragend und dessen Hufe von Flammen umspielt sind, hetzt hinter dem SC auf seinem eleganten Rennpferd durch das Unterholz.”
Die Grundaussage [Rennen Pferd gegen Ochse] ist gleich. Das Narrativ löst die vermeintliche Eindeutigkeit des Ausgangs dieses Rennens auf.

Du sprichst auch genau den kritischen Punkt an:
Unsere moderne Lebensweise. Die meisten SciFi Settings (im Rollenspiel und populären Filmformaten - nicht unbedingt in der Literatur) nehmen diese auch an.
Schauen wir uns z.B. “Das Fünfte Element” an oder “Inception” oder “2001: Odyssee” oder “Alien” oder “Blade Runner” etc.
Die Welt ist der unseren sehr ähnlich. Klar raucht in 5th Element Korben Dallas die witzige Zigarette und Leeloo hat einen Multipass, aber das ist nicht sonderlich weit weg von unserem Alltag. Alles ganz normal nur in anderer Iteration. Deshalb können wir uns das sehr leicht vorstellen und gut nachvollziehen. Barcode-Scanner kennen wir. WiFi kennen wir. RFID gibt es schon. Vieles aus dem Near Future SciFi ist eine technologisch fortgeschrittenere Version von dem, was wir haben.
Ein irrer Waffenhändler manipuliert Planetenregierungen, um seine Macht auszubauen? Wir sind beinahe da (übertrieben formuliert), wenn auch “nur” bei Regionen/Nationen statt Planeten.
Die populäre (in Sinne von vielen Menschen konsumierte) SciFi ist unsere Welt in anderen Farben. Oft mit ein bisschen Techno-Magie. Aber eigentlich unsere Welt. Aliens statt Ethnien, Raumschiffe statt Flugzeugen/Yachten, Essen aus dem Replikator statt vom Lieferdienst.
Aber es ähnelt sehr stark der Welt in der wir leben.
Da bleibt wenig Raum zu Interpretation und man muss den Suspension of Disbelief mit sehr viel MĂĽhe erarbeiten, wenn man sich abseits der mit vielen Details gespickten gewohnten Pfade bewegt.

Während in einem (klassischen) Fantasy-Setting, das v.a. aus Stereotypen besteht, indem Nationen von 1000-jährigen Drachen beherrscht werden, die unfassbare Magie beherrschen, wo Götter gelegentlich über das Angesicht der Erde wandeln, wo es Völker gibt, die Lava-Wüsten bewohnen usw. der Alltag in so einer Welt so ungewohnt für uns sein muss*,* dass wir leichter bereit sind, Alles möglich zu akzeptieren, ohne ausführliche konkrete Erklärung dafür.

Vergleiche z.B. einfach wie viel Arbeit Autor:innen und Fans von SciFi investieren, um physikalische Erklärungen für (aktuell) unmögliche Technologien zu entwickeln.
In einer Fantasy-Welt gibt es i.d.R. keine ausgeklĂĽgelte (potenziell) wissenschaftlich fundierte Theorie wie genau die Magie denn jetzt wirkt, was sie kann und wo ihre Grenzen liegen usw.
Das bestätigt meine Theorie ganz gut, denke ich: Die Autor:innen von SciFi müssen sich den Suspension of Disbelief hart erarbeiten, während in der Fantasy einfach so im Grunde Alles möglich ist.

Um noch ein bisschen wissenschaftliche Theorie hinterher zu werfen:
Das Theoriekonstrukt der “Lebenswelt” aus der Phänomenologie (vgl. Husserl, Schütz, Habermas), insbesondere der geteilten Lebenswelt.
Die Schnittmenge unserer aktuellen geteilten Lebenswelt mit den üblichen SciFi-Settings ist i.d.R. deutlich größer als mit den meisten Fantasy-Settings. Deshalb sind in der SciFi viele Aspekte des “Held:innenalltags” vermeintlich eindeutig bestimmt, auch wenn sie nicht konkret kommuniziert werden.
Beim Spie in einem Fantasy-Setting füllt im Grunde jede Spieler:in die großen Leerstellen im Bild mit ihren eigenen konkreten Vorstellungen und die Überschneidungsfläche mit unserer aktuellen Lebenswelt ist viel kleiner, d.h. es bleibt weniger Raum für Widersprüche. Dadurch wird es einfacher, daran zu glauben; weil: Es ist ja sowie Alles ganz anders.

Ich glaube nicht, dass Sci-Fi automatisch schwerer ist, weil man alles logisch erklären muss. Viele bekannte Sci-Fi-Welten erklären ihre Technologie oder ihre Welt gar nicht wirklich.

Ein Beispiel ist Doctor Who. Dort funktioniert Zeitreise einfach, weil die Geschichte es gerade braucht. Die TARDIS ist innen größer als außen, fliegt durch Raum und Zeit und verursacht ständig Paradoxien, ohne dass das jemals physikalisch sauber erklärt wird.

Auch in Star Wars sieht man, dass Sci-Fi mehr ist als nur “unsere Zukunft mit ein paar neuen Geräten”. Die Galaxis ist voller völlig fremder Kulturen und Spezies wie Wookiees, Twi’leks oder Rodians. Das zeigt, dass Sci-Fi nicht nur eine technische Zukunft beschreibt, sondern ganze neue Welten und Gesellschaften erfinden kann.

Vielleicht wirkt Sci-Fi im P&P deshalb manchmal schwieriger: Nicht weil alles kompliziert erklärt werden muss, sondern weil das Genre viel weiter gehen kann als nur “die Zukunft der Erde”. Man betritt oft wirklich fremde Welten und die brauchen ein bisschen mehr Vorstellungskraft als ein vertrautes Fantasy-Dorf. :rocket:

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Genau darauf beziehst du dich doch im Opening Post direkt selbst:
Space Opera (also Fantasy im Weltall) dominiert, was wir an SciFi konsumieren (auch im RPG).
Sobald die Sphäre der Plausibilität verlassen ist, greift Suspension of Disbelief viel schneller als in einem für uns plausibel erklärbaren Setting.
In einem Setting randvoll mit absurden Dingen, Gestalten, Beziehungen spielen Alltagsfragen plötzlich keine Rolle mehr.

Im Grunde funktionieren Stereotype in RPGs dadurch so gut, dass sie einen Anker an Stabilität darstellen in einer Spielwelt, die wir gar nicht wirklich verstehen können, weil sie außerhalb unserer erfahrbaren Wirklichkeit liegt.
Wir greifen dann also auf Vorbilder aus unserer (medialen) Welt zurück und nutzen diese als Vergleichsoberfläche.

Je geringer der “Abstand” zwischen der Spielwelt und unserer, desto mehr fallen uns die kleinen Fehler in der Matrix auf und desto schwerer fällt es uns, uns in diesen Geschichten zu verlieren.

Space Opera adressiert die gleichen Schablonen wie High Fantasy, nur das Magie dort als Tech umdeklariert wird.
Die Grenzen sind dabei oft flieĂźend (The Force in Star Wars, Spice in Dune).

Edit: Es ist übrigens auch gar nicht so eindeutig definiert, dass Star Wars als Space-Märchen der Gattung Science Fiction zuzurechnen ist.

@Gold

, ich gehe mal gezielt auf deine Punkte ein – finde einige deiner Formulierungen sehr absolut und lasse Grauzonen außen vor.

1. Technische und gesellschaftliche Nähe – nicht so eindeutig
Sci-Fi wirkt uns technisch näher, aber gesellschaftlich oft meilenweit entfernt (Megakonzerne, Überwachungsstaaten, posthumaner Alltag in Cyberpunk) Bei Weltraum Sci-Fi wird der Abstand noch größer(bestimmte Aspekte sind uns vielleicht näher, andere wiederum sind millenien von unserer Lebensrealtität entfernt). Selbst die „Techniknähe“ ist begrenzt: Vor 100 Jahren reisten die meisten in Industrieländern noch mit Ochsenkarren, im WK2 gab’s Ulanen-Kavallerie und Samurai gegen Maschinengewehre. Große Sprünge (Fusionsreaktor, fliegende Autos, Replikatoren) werden seit Jahrzehnten immer „in den nächsten 30 Jahren“ erwartet – wir sind aber kaum näher dran. Sci-Fi malt oft ein Bild, das vermeintlich näher dran ist, als es scheint.

2. Müllauto vs. magischer Ochse – beide kippen ins Absurde
Dein Beispiel mit dem Feuerhuf-Ochsen zeigt schön, wie Fantasy bei zu vielen Details schnell lächerlich wird. Aber exakt dasselbe passiert in Sci-Fi: Ein ganz normales Müllauto, das plötzlich mit sechs Porsche-Motoren, einer Jet-Turbine oder Antigrav-Antrieb ausgestattet wird, bleibt narrativ genauso übertrieben wie dein Ochse. Ein Tech-Mechaniker könnte das Ding durchs Unterholz pflügen lassen, während das „realistische“ Motorrad dabei stecken bleibt. Beide Genres vertragen nur begrenzt detaillierten Realismus – sonst bricht die Immersion.

3. Magie wird in Sci-Fi nicht einfach „ersetzt“
In den meisten Sci-Fi-Settings (besonders Space Opera) ergänzt Technik die Welt, sie ersetzt keine Magie 1:1. Oft gibt’s sogar explizit magische/übernatürliche Elemente (The Force, Psioniker, Warp-Reisen als Quasi-Magie). Der Unterschied ist eher: Sci-Fi-Autoren fühlen sich oft gedrängt, Pseudo-Erklärungen zu liefern – Fantasy lässt Magie meist einfach „sein“.

4. Suspension of Disbelief – beidseitig löchrig
Die funktioniert in beiden Richtungen nur bedingt. In Harry Potter (gesellschaftlich super nah an unserer Welt) gibt’s hunderte Szenen, in denen ein simpler bekannter Zauber (Accio, Wingardium Leviosa, Reparo…) die Handlung massiv abkürzen würde – und trotzdem passiert’s nicht. Wir nehmen das trotzdem hin. Nähe zur Realität macht Ungereimtheiten sogar auffälliger, nicht weniger.

Du schreibst sehr ausführlich – das ist toll für die Tiefe, macht’s aber manchmal schwer, gezielt anzuknüpfen. Kurz gesagt: Beide Genres haben ihre eigenen Hürden bei Plausibilität und Immersion, nur an unterschiedlichen Stellen.

Bin gespannt auf eure Gedanken!

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Danke fĂĽr deinen Beitrag @Franz,

ich will mal konkret auf deine Punkte eingehen, weil du dir fĂĽr mich ja auch die MĂĽhe gemacht hast:

Vorweg: Natürlich sind meine Formulierungen “absolut”. Ich argumentiere ja auf mein Ziel hin und nicht für alle anderen möglichen Standpunkte auch noch mit. Denke dir gerne ein paar “imho” hier und dort dazu.
Ich gehe davon aus, dass erwachsene Menschen im Internet wissen, dass Posts immer Meinungsäußerungen einer Person sind.

zu 1.
Da widerspreche ich dir vehement. Wir sind in den (üblichen) Near-Future (inkl. Cyberpunk) Settings angekommen: Megakonzerne, die die Geschicke der Welt lenken (es gibt sogar bereits extraterritoriale Inseln), Überwachungsstaaten, Exoskelette, Post-Scarcity, unbemannte Drohnen unterstützen Polizei und Militär etc.
Die Technik ist (mindestens in Ansätzen) schon da.
Die gesellschaftlichen Zustände sind schon lange erreicht.
Technik spielt allerdings eine untergeordnete Rolle, wenn es um gesellschaftliche Analyse geht.

Die entscheidende Frage ist (imho)
Was kommt unserem echten Leben näher: Der verzweifelte Lohnsklave, der kaum weiß, wie er die nächsten Rechnungen bezahlen soll und dem bewusst ist, dass sein komplettes (wirtschaftliches) Leben davon abhängt, wie sich die “Konzernleitung” beim nächsten Personalroulette entscheidet und der irgendwie versucht aus diesem Rahmen auszubrechen, um sich ein Stückchen Freiheit (über sein eigenes Leben) zu erkämpfen.

  • oder -
    Der Krieger/Magier/…, der seit Kindesbeinen an darauf hintrainierte, ein glorreicher Abenteurer zu werden, der sich durch Verließe kämpft, während er damit aufgewachsen ist, dass das Nachbardorf regelmäßig von Goblinbanden überfallen wird, ein Drache die Stadt in 20 km Entfernung in Schutt und Asche gelegt hat, sich Tore zu Dämonenwelten in der Ruine ums Eck aufgetan haben usw.

Natürlich greift auch Fantasy auf uns bekannte grundsätzliche Konzepte auf und wandelt diese etwas ab. Aber per se sind uns diese Welten (oft) sehr viel fremder als SciFi.

Alleine der Unterschied zwischen einer (mittelalterlichen) in Ständen organisierten Gesellschaft und einer modernen arbeitsteilig organisierten Gesellschaft ist den meisten Spieler:innen (und sonstigen Menschen) nicht annähernd bewusst. Geschweige denn sie setzen sich damit auseinander.

2 Unser Hobby lebt vom Absurden. Genau das macht Phantastik ja aus.
Ja, narrativ stimme ich dir zu.
Das war aber gar nicht so mein Punkt.
Mir ging es darum, dass die eine Szene im SciFi für uns als Spielende im Kopf viel “detailierter sichtbar” wird, weil wir uns eine konkrete Straße in unserer Heimatstadt vorstellen können. Quasi das AI-Bild im Kopf (ein Antigrav-Auto in einer dunklen SciFi-Gasse - die Vorstellungen liegen wahrscheinlich bei allen am Tisch recht nahe beeinander).
Während wir im Fantasy-Setting (oft) nur sehr begrenzt auf eine solche Szene zurückgreifen können (ein zorniger junger Drache in einer zugewucherten Schlucht - in den Details wahrscheinlich viel unterschiedlichere Vorstellungen bei allen Spielenden)
(Beide Beispiele nutzen zur Beschreibung der Szene gleich viele Worte, während - so meine Annahme - die konkreten Vorstellungen der Spielenden in einem Fall viel weiter voneinander abweichen, als im anderen.)

3 Doch (sorry).
”Sci-Fi-Autoren fühlen sich oft gedrängt, Pseudo-Erklärungen zu liefern – Fantasy lässt Magie meist einfach „sein“.” - ja, das definiert (im Grunde und nicht abschließend) den Unterschied zwischen Science Fiction und Fantasy.

4 Genau das ist meine Argumentation: Nähe zur Realität macht Ungereimtheiten auffälliger.
SciFi ist uns viel näher, deshalb fallen uns die vielen Lücken und Leerstellen im Setting so auf und führen zu einem unbefriedigenden Spielerlebnis.
In Fantasy geht ohnehin einfach Alles - also ist es sowieso egal.

Deine Argumentation krankt leider an einem fundamentalen Kategorienfehler: Du setzt Sci-Fi pauschal mit Near-Future/Cyberpunk gleich. Das ist in etwa so, als wĂĽrde man Fantasy nur ĂĽber das viktorianische Steampunk-London definieren.

Dein Vergleich hinkt zudem gewaltig: Du stellst den Lohnsklaven dem Krieger/Magier gegenüber. Das korrekte Äquivalent zum Lohnsklaven ist der Tagelöhner im Mittelalter und der hat im P&P genauso wenig verloren wie der Buchhalter in der Space Opera. Ein Jedi, ein Astronaut oder ein Psi-Corps-Telepath ist für uns emotional genauso “greifbar” wie ein Magier, nur eben in einem anderen technologischen Kontext.

Du driftest hier leider vom Thema ab: Es geht in diesem Thread um die Einstiegshürden des Genres (Angst vor Technobabble, Physik-Diskussionen), nicht um die Vorstellbarkeit einer dunklen Gasse. Dass Sci-Fi uns “näher” sei und deshalb mehr Lücken aufweise, ist eine rein subjektive Wahrnehmung, die auf Hard Sci-Fi oder Deep-Space-Exploration schlicht nicht zutrifft.

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Bei der Vertrautheit der Welt gibt es, denke ich, einen “Sweet Spot”.

Ich spiele und leite sehr gerne Numenera, ein Spiel mit einem sehr abgefahrenen Setting, in dem so ziemlich alles möglich ist, und stelle dabei immer wieder fest, dass viele Spielende damit nichts anfangen können - es fehlt das Vertraute, die Verstehbarkeit der Welt.

Gleiches gilt für Fantasy-Settings mit starkem Historizitäts-Anspruch: Settings, die versuchen, historische Denk- und Lebensweisen wie z.B. Feudalismus authentisch darzustellen, sind für viele Leute zu fremdartig; sie bevorzugen das “Fäntelalter”, in dem man auf die Magierschule geht, in der Abenteurergilde arbeitet, sein Erspartes auf die Bank bringt und in der Herberge im Einzelzimmer mit Sanitäranlagen schläft.

Gleichzeitig wollen viele von uns aber auch nicht einfach die vertraute, reale Welt spielen - insofern die Vermutung, dass es irgendwo einen (sicher auch individuell verschiedenen) “Sweet Spot” zwischen Vertrautem und Fantastischen gibt.

Ob das allerdings etwas mit Fantasy und SciFi zu tun hat, weiß ich nicht - prinzipiell gibt es ja bei beidem eine große Bandbreite. (Edit: Den Punkt hat Ailuran gerade sehr gut zum Ausdruck gebracht. “Blade Runner” mag relativ nah an unserer vertrauten Welt sein, der God Emperor of Dune ist es nicht).

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Dem kann ich nicht zustimmen.
Es gibt nicht viele SciFi - schon gar nicht Hard SciFi - die sich weit abseits der von mir erwähnten Beispiele bewegt. Ich lasse jetzt mal Dan Simmons außen vor. Aber auch the Expanse als ein sehr populäres Beispiel für Hard SciFi nimmt eine Gesellschaft und Lebensweise an, die unserem zeitgenössischen Alltag sehr nahe kommt.
Falls dir konkrete Beispiele einfallen, können wir uns dazu vielleicht besser austauschen. Evtl. hast du gerade andere Bücher oder Filme im Kopf als ich.
Ich denke im Rahmen dieser Diskussion v.a. an Expanse, Cyberpunk, West World, Fallout, Philip K. Dick Werke, Handmaid’s Tale, Humans, District 9, Alien usw.
Und das ist schon ein breites Spektrum.

Noch einmal zur Klarstellung:
Es geht hier ausdrĂĽcklich nicht um den Technologie-Level. Der ist in der SciFi-Literatur (meist) nur der Hebel zur Entfremdung. Die Geschichten drehen sich um die Menschen in einer Welt, wo diese Entfremdung zu einem gesellschaftlichen Konflikt fĂĽhrt.
Und analytisch gesehen gibt es wenige (bekanntere) SciFi Geschichten, die nicht sehr nah an unseren gesellschaftlichen Verhältnissen sind.

Der Tagelöhner im Mittelalter IST der klassische nicht-sesshafte Held.
In vielen SciFi-Geschichten geht es um den “normalen” Buchhalter (oder anderen Normalo), der im Rahmen seiner Heldenreise in außergewöhnliche Dinge verwickelt wird.

Ich stimme dir zu: Auch der Jedi und der Astronaut sind (im RPG i.d.R.) nicht weniger menschlich als der Magier und nur der Kontext unterscheidet sich.

Und ich drifte tatsächlich nicht ab, sondern versuche eine Antwort zu finden auf die Frage deines Ausgangsposts: Warum haben es SciFi-Setting so schwer, sich erfolgreich in unserem Hobby durchzusetzen.
Dabei glaube ich, mit der Hürde des schwerer zu erarbeitenden “Suspension of Disbelief” ein Erklärungsmodell gefunden zu haben.
Genau das hast du ja auch beispielhaft benannt: Angst vor (unplausiblem) Technobabble und Physik-Diskussion - genau das beschreibt mein Kernargument.

Ich stimme dir voll zu.
Bin auch großer Fan von Numenera und habe ähnliche Erfahrungen wie du gemacht.
Gleiches bei “echten” Mittelalter-RPG.

Dune ist auch ein gutes Beispiel für ein SciFi-Setting das keine moderne sondern eine Stände- oder im Falle der Fremen sogar eine Stammesgesellschaft beschreibt.
Eigentlich fast verwunderlich, dass es so erfolgreich war (allerdings auch verständlich angesichts Herberts Werk).